GENIUS Act: Stablecoin-Emittenten sollen AML-Regeln wie Banken erfüllen
Der GENIUS Act rückt von der Gesetzesebene in die Umsetzungsvorschriften vor. Für Stablecoin-Emittenten, Banken und Nutzer laufen feste Fristen.
Wichtige Termine
• 9. Juni 2026: letzter Tag für öffentliche Stellungnahmen zu den von FinCEN und OFAC vorgeschlagenen Regeln für Emittenten "zulässiger Zahlungs-Stablecoins" (permitted payment).
• 18. Juli 2026: Zieltermin, an dem mehrere Umsetzungsregeln in Kraft treten sollen – ein Jahr nach Inkrafttreten des GENIUS Act am 18. Juli 2025.
Was sich ändert
FinCEN und OFAC wollen Emittenten zulässiger Stablecoins nach dem Bank Secrecy Act wie Finanzinstitute behandeln. Damit würden für Unternehmen, die Payment-Stablecoins ausgeben, bankähnliche Pflichten zu Geldwäscheprävention (AML) und Sanktionen gelten. Vorgesehen sind unter anderem:
• Compliance-Programme, zugeschnitten auf Größe und Geschäftsmodell
• Customer Due Diligence und Transaktionsmonitoring
• Sanktions-Screening und interne Kontrollen
• Erkennung und Meldung verdächtiger Aktivitäten
• Reaktion auf rechtmäßige behördliche Anordnungen
Warum das wichtig ist
Die Regeln würden Stablecoin-Anbieter deutlich näher an die Aufsicht heranführen, die für traditionelle Finanzunternehmen gilt. Für Nutzer könnte das Regelwerk verändern, wie digitale Dollar zwischen Wallets, Börsen, Apps und Zahlungsinfrastrukturen bewegt werden. Emittenten erhalten einen klaren Zeitplan, um Lizenzierung, Reservevorgaben, Reporting sowie Technologie und Personal für AML- und Sanktionsanforderungen zu planen.
Branchenreaktion und Bedeutung
Große US-Bankenverbände fordern die Aufseher – insbesondere das OCC – auf, verbundene Kommentierungsfristen im Kontext des GENIUS Act auszusetzen, bis das OCC seinen primären Stablecoin-Rahmen fertigstellt. Begründung: Marktteilnehmer bräuchten eine eindeutige Baseline-Regel, bevor sie zu darauf aufbauenden Vorschlägen Stellung nehmen.
Parallel versuchen einzelne Stablecoin-Firmen, zügig unter Bundesaufsicht zu kommen: Agora beantragte am 24. April beim OCC eine Zulassung als National Trust Bank. Damit könnte das Unternehmen bereits vor Abschluss sämtlicher GENIUS-Act-Regeln unter föderale Aufsicht fallen.
Fazit
Der 9. Juni ist eine der letzten Möglichkeiten für Branche, Banken und Nutzer, den FinCEN/OFAC-Vorschlag zu beeinflussen. Die Frist am 18. Juli setzt anschließend eine schnelle Überführung des GENIUS-Act-Rahmens in durchsetzbare Standards in Gang. Die Aufseher haben nur ein enges Zeitfenster zur Finalisierung – Emittenten sollten Digital-Dollar-Produkte künftig grundsätzlich wie bankähnlich regulierte Angebote mit entsprechenden Compliance-Kontrollen behandeln.