Gemini erhält CFTC-Zulassung als Derivatives Clearing Organization
Die Kryptobörse Gemini hat nach eigenen Angaben am Donnerstag eine zentrale Genehmigung der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) erhalten. Damit darf das Unternehmen als Derivatives Clearing Organization (DCO) auftreten und Abwicklungsdienstleistungen für sein derivatives Geschäft übernehmen.
Die DCO-Lizenz erlaubt Gemini, Wetten aus Prognosemärkten sowie weitere Derivategeschäfte intern zu clearen und abzurechnen, ohne dafür auf zugelassene Drittanbieter angewiesen zu sein. Das verschafft dem Unternehmen mehr Kontrolle über Produktdesign und Infrastruktur und könnte den Einstieg in komplexere Angebote erleichtern, darunter Perpetual Futures mit erhöhtem Risiko, die ohne Verfallsdatum gehandelt werden.
"Gemini hat jetzt ein vollständiges End-to-End-Angebot mit Services wie Predictions, Futures und Optionen", erklärte Mitgründer Cameron Winklevoss in einem Blogbeitrag am Donnerstag. Das sei zudem ein zentraler Baustein für die geplante "Super-App", in der Nutzer ihre aktuellen und künftigen Finanzbedürfnisse an einem Ort abdecken könnten.
Gemini ist nicht das erste Unternehmen aus dem Krypto- oder Prognosemarktumfeld mit DCO-Status. Der Prognosemarkt-Anbieter Kalshi verfügt seit 2024 über eine DCO; auch der Wettbewerber Polymarket erhielt eine entsprechende Zulassung. Zudem wurden zuletzt weiteren Unternehmen DCO-Genehmigungen erteilt; Anfang dieses Monats kündigte die Muttergesellschaft der Kryptobörse Kraken an, Bitnomial für 550 Mio. US-Dollar zu übernehmen – ein Unternehmen, das bereits eine DCO-Lizenz hält.
Mit der formalen Genehmigung liegt die Zahl der in den USA als DCO zugelassenen Unternehmen laut Bericht nun bei 22. Die geringe Anzahl unterstreicht die Knappheit dieser Lizenzen und deutet darauf hin, dass Prognosemarkt-Anbieter unter CFTC-Regulierung zunehmend in den breiteren Derivatemarkt vordringen.
Gemini hatte zu Jahresbeginn angekündigt, den Fokus stärker auf Prognosemärkte zu legen. Im Zuge dieser Neuausrichtung trennte sich das Unternehmen von mehr als einem Viertel der Belegschaft und zog sich vollständig aus Europa und Australien zurück. Danach folgten Sammelklagen im Zusammenhang mit dem Strategiewechsel. Anfang dieses Monats verhängte der Bundesstaat New York zudem eine Strafe von 1,2 Mrd. US-Dollar wegen mutmaßlicher Verstöße gegen staatliche Glücksspielgesetze; die Klage in New York wurde jedoch rasch abgewiesen.
Die CFTC argumentierte, dass Prognosemarkt-Plattformen wie Gemini nicht unter staatliche Glücksspielgesetze fallen und ausschließlich der föderalen Regulierung unterliegen.
Seit der Eröffnung am Donnerstag legten die Gemini-Aktien (GEMI) um mehr als 6% zu und notierten zuletzt bei 4,40 US-Dollar. Auf Monatssicht beträgt das Plus 9%, seit Jahresbeginn liegt der Titel weiterhin mehr als 55% im Minus.