Frankreichs Finanzminister drängt auf eurobasierte Stablecoins als Gegengewicht zur Dollar-Dominanz

Der französische Finanzminister Roland Lescure fordert europäische Banken auf, eurobasierte Stablecoins und tokenisierte Einlagen zügig voranzutreiben, um der dominierenden Stellung des US-Dollars im digitalen Zahlungsverkehr etwas entgegenzusetzen. Kernaussagen: - Lescure rief EU-Banken dazu auf, bis 2026 Euro-Stablecoins zu lancieren, um der US-Finanzdominanz entgegenzuwirken. - Tether führt den Markt mit 185 Mrd. US-Dollar, während die Euro-Stablecoin von Société Générale bei 107 Mio. Euro liegt. - Die EZB will den digitalen Euro ab 2026 als zentralen Anker für Tokenisierungsinitiativen nutzen. Wachsende Lücke bei digitaler Liquidität In vorab aufgezeichneten Aussagen auf einer Krypto-Konferenz in Paris sprach Lescure am Freitag von einem "nicht zufriedenstellenden" Mangel an an den Euro gekoppelten Stablecoins. Der Bankensektor solle tokenisierte Vermögenswerte deutlich entschlossener entwickeln, um Europas finanzielle Souveränität zu sichern. Wie Reuters berichtet, spiegeln die Aussagen die zunehmende Sorge in Paris und Brüssel, dass die Regeln des digitalen Handels fast ausschließlich in US-Dollar gesetzt werden. Die Marktdaten unterstreichen das Ungleichgewicht: Der in El Salvador ansässige Stablecoin-Anbieter Tether kommt bei seinen dollarbasierten Token auf einen Umlauf von mehr als 185 Mrd. US-Dollar. Europäische Initiativen bleiben deutlich kleiner. Die vor drei Jahren gestartete Euro-Stablecoin von Société Générale verharrt bei 107 Mio. Euro (126 Mio. US-Dollar). Um den Rückstand zu verkleinern, hat sich ein Konsortium mit ING, UniCredit und BNP Paribas zusammengeschlossen. Das Projekt zielt auf die Einführung einer konkurrenzfähigen, an den Euro gekoppelten Stablecoin gegen Ende 2026. "Das ist es, was wir brauchen, und das ist es, was wir wollen", sagte Lescure am Freitag, 17. April, mit Blick auf die Kooperation. Zudem drängte er Banken, die Einführung tokenisierter Einlagen intensiver zu prüfen. Strategiewechsel in Richtung Tokenisierung Lescures Vorstoß geht über Stablecoins hinaus. Tokenisierte Einlagen sollen klassische Bankguthaben in blockchainbasierte Token überführen, um Europas Zahlungsinfrastruktur zu modernisieren und die Abhängigkeit von ausländischen Zahlungsriesen zu verringern. Der Ansatz wird zunehmend geopolitisch begründet. Angespannte Beziehungen zu Washington haben den Ruf nach "strategischer Autonomie" verstärkt. In Brüssel wächst die Sorge, dass eine starke Abhängigkeit von US-Zahlungsinfrastruktur den Euroraum anfällig für externe politische Kurswechsel oder eine Fragmentierung von Diensten macht. Lescure positionierte sich auch in der Debatte um den digitalen Euro der Europäischen Zentralbank (EZB). Während Teile der Bankenlobby das Projekt kritisch sehen und Abflüsse klassischer Einlagen befürchten, unterstützte der Minister die Linie der EZB. Deren Plan, eine digitale Zentralbankwährung als "Anker" für Tokenisierungsaktivitäten zu setzen, nannte er das "richtige Gleichgewicht". Damit skizzierte er ein hybrides Ökosystem, in dem öffentliches und privates digitales Geld parallel genutzt wird. Trotz der politischen Dynamik bleibt der Markt zurückhaltend. Laut Daten von RBC Capital Markets berichten 66% der europäischen Banken weiterhin von begrenzter Kundennachfrage nach Stablecoins. Nach der Unterzeichnung eines wegweisenden Stablecoin-Gesetzes in den USA im vergangenen Jahr durch Präsident Donald Trump sehen europäische Entscheidungsträger den Handlungsdruck steigen. Für Lescure geht es nicht nur um Innovation, sondern darum, den Euro im Zeitalter autonomer digitaler Handelsströme als relevante Währung zu sichern.