Securitize erhält FINRA-Freigabe und bietet als erster US-Broker-Dealer Verwahrung tokenisierter Vermögenswerte an

CoinDesk zufolge hat Securitize nach einer richtungsweisenden FINRA-Entscheidung zur "Atomic Settlement"-Fähigkeit als erster Broker-Dealer in den USA die Erlaubnis, den gesamten Lebenszyklus tokenisierter Wertpapiere abzudecken. Der Beschluss wurde am 4. Mai finalisiert. Damit positioniert sich das Unternehmen als Baustein einer vollständig regulierten Onchain-Infrastruktur für Kapitalmärkte. Ermöglicht wird die Ausweitung durch die Genehmigung im Rahmen des "Continuing Membership Application"-Prozesses. Securitize Markets, die Broker-Dealer-Einheit des Konzerns, kann damit in Geschäftsfelder vorstoßen, die bislang regulatorisch begrenzt waren. Im Zentrum steht die neu zulässige Verwahrung tokenisierter Wertpapiere – eine Funktion, die traditionell vom Handel getrennt ist und in der Praxis häufig zu operativen Reibungsverlusten führt. In einem einzigen Lizenzrahmen kann Securitize künftig Emission, Verwahrung und Handel digitaler Assets aus einer Hand anbieten. Ein wesentlicher Effekt ist die Einführung von "Atomic Settlement": Transaktionen sollen mit nahezu sofortiger Endgültigkeit direkt auf der Blockchain abgeschlossen werden. Tokenisierte Aktien können dabei simultan gegen digitale Dollar getauscht werden, Verzögerungen und Gegenparteirisiken entfallen innerhalb eines einzelnen Vorgangs. Das unterscheidet sich grundlegend von klassischen Abwicklungsmodellen mit T+1- oder T+2-Zyklen. Für institutionelle Marktteilnehmer bedeutet das geringeres Risiko, höhere Liquidität und eine effizientere Kapitalnutzung. Zugleich verlagert sich der IPO-Prozess stärker in die Blockchain-Umgebung. Mit den erweiterten Befugnissen kann Securitize als Underwriter oder Mitglied eines Emissionskonsortiums bei Börsengängen (IPOs) sowie bei Folgeplatzierungen tokenisierter Wertpapiere auftreten und die Prozesskette von der Erstemission bis zum Sekundärhandel integrieren. Das passt zu jüngsten Initiativen im Marktumfeld: Die New York Stock Exchange hat die Genehmigung erhalten, tokenisierte Instrumente zu listen. Die Partnerschaft von Securitize mit Computershare soll zudem den Weg ebnen, dass börsennotierte Unternehmen tokenisierte Aktien direkt ausgeben können. Der Schritt steht im Kontext einer breiteren Institutionalisierung von Krypto und Blockchain. Auch die geplante Fusion von Securitize mit Cantor Equity Partners II unterstreicht die Ambition, sich stärker in traditionelle Märkte zu integrieren und perspektivisch selbst an die Börse zu gehen. Für Investoren signalisiert das eine Verschiebung von experimentellen Projekten hin zu vollständig regulierten, skalierbaren Lösungen. Aus regulatorischer Sicht deutet die FINRA-Entscheidung darauf hin, dass Onchain-Infrastruktur zunehmend als Weiterentwicklung des bestehenden Finanzsystems verstanden wird – nicht primär als Risiko. Setzt sich die Dynamik fort, könnte Tokenisierung zur Basisschicht künftiger Kapitalmärkte werden: schnellere Abläufe, geringere Kosten und breiterer Zugang.