Fed ringt um Formulierungen – Geopolitik rückt Zinspfad in den Fokus
BlockBeats – 28. April: Wie Nick Timiraos, als "Stimme der Fed" bekannter Reporter des Wall Street Journal, berichtet, endet die zweitägige geldpolitische Sitzung der US-Notenbank am frühen Donnerstag (Pekinger Zeit). Es ist die letzte Sitzung unter dem Vorsitz von Jerome Powell vor seinem Ausscheiden.
An den Märkten gilt eine Zinspause als wahrscheinlich. Entscheidend ist, ob die Fed signalisiert, dass Zinssenkungen vom Tisch sind oder lediglich später kommen. Ein durch den Iran-Konflikt ausgelöster Energieschock, verstärkt durch weitere Lieferunterbrechungen, hat die Sorge vor Stagflation neu entfacht.
Die Fed dürfte den Leitzins im Korridor von 3,5% bis 3,75% belassen. Intern nimmt die Debatte zu, wie die Erklärung formuliert werden soll und wie der weitere Kurs bei möglichen Zinssenkungen aussieht. Timiraos verweist darauf, dass die USA binnen fünf Jahren bereits den vierten Angebotsschock erleben: die Wiederöffnung nach der Pandemie, den Russland-Ukraine-Krieg, den "Zollkrieg" und den aktuellen Krieg im Nahen Osten.
Fed-Gouverneur Waller, der im vergangenen Jahr drei Zinssenkungen mit Blick auf den Arbeitsmarkt unterstützt hatte, warnt inzwischen stärker vor Inflationsrisiken. Obwohl der Krieg in Iran beendet ist, bleibt die Straße von Hormus faktisch blockiert. Das treibt die Kerosinpreise nach oben. Fed-Vertreter rechnen damit, dass die Inflation frühestens in mindestens einem weiteren Jahr wieder zum 2%-Ziel zurückkehrt.
Im Mittelpunkt steht laut Timiraos die Frage, ob der Offenmarktausschuss seine offizielle Erklärung so anpasst, dass Zinssenkungen nicht mehr als naheliegender nächster Schritt erscheinen. Seit Ende vergangenen Jahres enthält die Formulierung einen Hinweis, dass die nächste Entscheidung eher eine Senkung als eine Anhebung sein könnte. Bei den vergangenen zwei Sitzungen drängte eine Minderheit darauf, diese Passage zu streichen, was Senkungen und Anhebungen als gleich wahrscheinlich darstellen würde.
Die Mehrheitsmeinung im Ausschuss sei, dass ein solcher Schritt zu weit ginge: Eine formale Änderung der Sprache würde die Finanzierungsbedingungen verschärfen und als restriktives Signal wirken – ein Kurs, zu dem sich die Fed bislang nicht bereit sieht. Das Thema soll in dieser Woche erneut beraten werden. (Kitco)