Fed-Kandidaten Kevin Warsh vermeidet Zins-Signale und sendet Beruhigung an Krypto-Branche
Kevin Warsh, als künftiger Vorsitzender der US-Notenbank Federal Reserve nominiert, hat sich bei seiner Anhörung vor dem Bankenausschuss des US-Senats am 21. April (22 Uhr Pekinger Zeit) mit konkreten Aussagen zur künftigen Zinspolitik zurückgehalten. Wie das Wall Street Journal berichtete, stand im Fokus der Befragung seine Haltung zur Geldpolitik sowie die Unabhängigkeit der Fed.
Auf Fragen zur politischen Einflussnahme erklärte Warsh, er werde unabhängig von Donald Trump agieren. Trump habe ihn nie aufgefordert, sich auf bestimmte Zinsentscheidungen festzulegen. Selbst wenn dies geschehen wäre, würde er nicht zustimmen. Weitere Trump-bezogene Fragen ließ Warsh weitgehend unbeantwortet.
Inhaltlich setzte Warsh vor allem bei der Institution Fed an: Er kritisierte den bestehenden Rahmen der Notenbank und sprach sich für systemische Reformen im Entscheidungsprozess aus, ohne Details zu nennen. Zur Geldpolitik äußerte er sich lediglich dahingehend, dass die Fed ihre Bilanz schrittweise und vorsichtig reduzieren solle. Ein Signal zugunsten baldiger Zinssenkungen blieb aus. Bloomberg zufolge umfasste sein vorbereitetes Eingangsstatement fast 2.000 Wörter und war damit deutlich länger als die frühen Stellungnahmen von Jerome Powell und Janet Yellen (rund 850 bis 900 Wörter), enthielt aber dennoch nur minimale Aussagen zur künftigen geldpolitischen Richtung. Das passt zu Warshs wiederholter Position, Fed-Vertreter sollten Zinsansichten nicht im Voraus ankündigen.
Für Marktteilnehmer blieb die Anhörung damit inhaltlich dünn. Bloomberg-Kolumnist John Authers hatte das Verfahren bereits im Vorfeld als politisches "Form statt Substanz"-Schauspiel bezeichnet. Ob der Senat Warsh am Ende bestätigt, dürfte weniger an seinen Aussagen im Saal hängen als an der politischen Taktik außerhalb.
Im Hintergrund steht die Frage, was nach dem Ende von Powells Amtszeit am 15. Mai passiert. Odaily Planet Daily hatte zuvor analysiert: Scheitert Warshs Bestätigung, könnte Powell nach Ablauf seiner Amtszeit als amtierender Fed-Chef im Amt bleiben.
Nach der Anhörung blieb offen, ob Warshs Nominierung planmäßig vorankommt. Der wichtigste Gegner, Senator Thom Tillis, stellte keine Fragen an Warsh. Stattdessen präsentierte er Folien zu Kostenüberschreitungen bei der Renovierung eines Fed-Gebäudes. Tillis betonte, seine Kritik richte sich nicht gegen Warsh, den er als "außergewöhnlich qualifiziert und tadellos" bezeichnete. Er bekräftigte aber, er werde eine Weiterleitung der Nominierung zur Abstimmung im gesamten Senat erst unterstützen, wenn Trump die Untersuchung gegen Powell fallen lasse.
Damit hängt der weitere Ablauf an zwei Bedingungen: ob der Senat Warsh rechtzeitig bestätigt und ob Trump bereit ist, die Untersuchung zu beenden. In einem aktuellen Interview vom 21. April äußerte Trump, er wäre enttäuscht, falls ein neuer Fed-Chef (Warsh) die Zinsen nicht schnell senke. Zugleich hielt er an der Untersuchung zu den Renovierungskosten fest. Nach Einschätzung von Authers findet das eigentliche Ringen außerhalb der Anhörung statt, Warsh könne dabei sogar zum "Kollateralschaden" werden.
Warshs Nähe zu Trump gilt als besonders: Sein Schwiegervater Ronald Steven Lauder, Alleinerbe des Kosmetikkonzerns Estée Lauder, ist ein wichtiger republikanischer Spender und war zudem Trumps Studienkollege. Das könnte Warsh, falls er die Fed früher übernehmen will, politischen Einfluss verschaffen.
Ein weiterer Punkt: Laut Odaily-Seer-Monitoring liegt die Polymarket-Wahrscheinlichkeit, dass Powell nach dem Ende seiner Amtszeit als Fed-Vorsitzender zurücktritt, weiterhin bei 2%. Die Abwicklungsregeln des Kontrakts sehen allerdings vor, dass ein vor dem Markt-Enddatum angekündigter Rücktritt oder eine Abberufung sofort als "Yes" gewertet wird – unabhängig davon, wann die Maßnahme tatsächlich wirksam wird. Damit würde bereits eine Entlassungsankündigung durch Trump die Wette unmittelbar entscheiden, selbst wenn Powell später gerichtlich dagegen vorgeht. (Odaily-Hinweis: Das ist die persönliche Einschätzung des Autors und keine Empfehlung.)
Für die Krypto-Branche brachte die Anhörung dennoch ein positives Signal. Zuvor war bekannt geworden, dass Warsh Vermögenswerte wie Kryptowährungen, Polymarket und SpaceX-Aktien hält – ein Detail, das als Indiz für eine krypto-freundliche Haltung gewertet wurde. Auf Fragen zu Finanzangaben von über 100 Mio. US-Dollar und möglichen Interessenkonflikten sagte Warsh zu, einschlägige Positionen vor Amtsantritt zu veräußern, falls er bestätigt wird. Zugleich erklärte er, digitale Vermögenswerte seien Teil der US-Finanzdienstleistungsbranche, und unterstrich damit die Legitimität und Bedeutung des Kryptosektors in den USA. Auch wenn der Hinweis nur kurz ausfiel: Ein derartiges Bekenntnis von einem Kandidaten für eines der einflussreichsten Ämter der Weltwirtschaft wird in der Branche als gutes Zeichen gewertet.