EZB-Rat Nagel sieht Argumente für Zinserhöhung – längerer Iran-Krieg dürfte Inflation hoch halten
Bundesbankpräsident und EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel sieht angesichts eines aus seiner Sicht nur gering verbesserten Inflationsausblicks Rückenwind für eine Zinserhöhung. Die von der EZB vertretene "wait-and-see"-Haltung sei als Handlungsbereitschaft zu verstehen, nicht als Zögern, sagte Nagel am Montag in Frankfurt.
Ein länger andauernder Krieg könne die Teuerung auf erhöhtem Niveau festsetzen und damit die Aufgabe der Notenbank erschweren, den Preisdruck wieder unter Kontrolle zu bringen. Die Aussagen fallen in eine Phase, in der die Inflation im Euroraum bei 3% liegt und die Märkte laut Preisbildung eine Wahrscheinlichkeit von 75% für eine Zinserhöhung im Juni sehen.
Die EZB hatte den Leitzins am Donnerstag bei 2% belassen. Die Bank Lending Survey für das erste Quartal zeigte zugleich die stärkste Kreditverschärfung seit dem dritten Quartal 2023; Banken verwiesen dabei auf geopolitische und Energierisiken.
Nagel zählt zu den restriktiveren Stimmen im EZB-Rat. Dass er die Debatte von "wait-and-see" hin zu einer expliziten Begründung für eine Anhebung verschiebt, gilt mit Blick auf die Juni-Sitzung als bemerkenswert. Stagflationsähnlicher Druck mache sich zunehmend gleichzeitig in Zinsen, Kreditmärkten und Energie bemerkbar.