DTCC und Chainlink kooperieren: Blockchain soll Collateral-Management modernisieren

Die Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC), eine zentrale Institution der US-Wertpapiermärkte, verstärkt ihr Engagement im Blockchain-Bereich. Wie CoinDesk berichtet, kündigte die DTCC am Dienstag an, Infrastruktur von Chainlink in ihre digitale Collateral-Plattform zu integrieren. Ziel ist es, die traditionell langsamen Backoffice-Prozesse der Wall Street in ein 24/7-Betriebsmodell zu überführen. Kern der Initiative ist die Plattform "Collateral AppChain". Sie soll Chainlinks Runtime-Umgebung sowie Datenstandards nutzen, um ein nahezu in Echtzeit arbeitendes Collateral-Management über globale Märkte und Blockchains hinweg zu ermöglichen. Der Start ist für das vierte Quartal 2026 geplant. Die Zusammenarbeit baut auf dem Projekt "Smart NAV" auf. Dabei handelte es sich um ein 2024 gestartetes Pilotvorhaben von DTCC und Chainlink, das die Migration von Nettoinventarwert-Daten (NAV) von Investmentfonds auf eine Blockchain testete. Zu den beteiligten Unternehmen zählten JPMorgan Chase, Franklin Templeton und BNY Mellon. Mit der AppChain will die DTCC Verzögerungen und Fragmentierung im heutigen Collateral-System reduzieren, das Vermögenswerte häufig zwischen Institutionen und Zeitzonen bindet. Durch die Tokenisierung von Sicherheiten und den Einsatz von Smart Contracts zur Automatisierung von Abläufen soll Collateral nahezu in Echtzeit zwischen traditionellen Finanzmärkten und Blockchain-Netzwerken bewegt werden. "Durch die Modernisierung der Collateral-Liquidität via Tokenisierung und Distributed-Ledger-Technology (DLT) wollen wir ein Rund-um-die-Uhr verfügbares, nahezu in Echtzeit arbeitendes Collateral-Management über globale Märkte und Blockchains ermöglichen", erklärte Nadine Chakar, Managing Director und Global Head of Digital Assets bei der DTCC. Die Integration von Chainlinks CRE und Datenstandards solle eine einheitliche On-Chain-Umgebung schaffen, die unter anderem On-Chain-Preise, Bewertungen und weitere Protokolldaten für Sicherheiten einbindet. Chainlinks Runtime-Umgebung übernimmt für die AppChain Orchestrierung, Datenzugriff und Automatisierung. Geplant sind automatisierte Workflows für Eignungsprüfungen, Asset-Bewertungen, Margin-Berechnungen, Collateral-Optimierung und Settlement. Im Unterschied zu Ansätzen, die separate Anbindungen an jede Datenquelle benötigen, soll die Runtime-Umgebung als wiederverwendbarer Rahmen dienen und die Skalierung auf neue Datentypen, Assetklassen und Anwendungsfälle ermöglichen. Die Dimension der DTCC unterstreicht die Bedeutung des Projekts: 2025 verarbeitete die DTCC Wertpapiertransaktionen im Volumen von 47 Billionen US-Dollar und verwahrte Wertpapiere im Wert von 114 Billionen US-Dollar aus mehr als 150 Ländern. Zudem erklärte die DTCC zuletzt, dass sich mehr als 50 Unternehmen einer unabhängigen Arbeitsgruppe für ihre Tokenisierungsplattform angeschlossen hätten. Ein begrenzter Echtzeit-Handelstest ist für Juli geplant, der vollständige Start für Oktober. Das deutet darauf hin, dass die Blockchain-Ambitionen der Organisation über das Collateral-Thema hinausgehen. Der native Token von Chainlink, LINK, fiel am heutigen Tag um mehr als 3% auf zuletzt 10,22 US-Dollar, liegt auf Monatssicht aber 17% im Plus.