Krypto-Futures: Long-Liquidationen von über 871 Mio. US-Dollar in 24 Stunden nach Zoll-Sorgen
Der Markt für Krypto-Futures hat innerhalb von 24 Stunden bis zum 19. Januar eine heftige Bereinigung erlebt: Positionen im Wert von mehr als 871 Mio. US-Dollar wurden liquidiert. Den größten Teil traf es Trader, die auf steigende Kurse gesetzt hatten. Long-Positionen machten laut CoinGlass-Daten rund 786 Mio. bis 788 Mio. US-Dollar aus. Damit entfiel auf jeden Dollar Verlust bei Short-Positionen etwa das Neunfache auf der Long-Seite – ein klar einseitiger Abverkauf.
Auslöser der Kaskade waren weniger Charttechnik als geopolitische Signale. Äußerungen der Trump-Regierung zu möglichen Zöllen auf EU-Importe erhöhten die Unsicherheit in einem ohnehin nervösen Marktumfeld. Bitcoin rutschte unter 93.000 US-Dollar und fiel im Verlauf des Sell-offs bis auf etwa 92.500 US-Dollar. Dieses Niveau wurde für viele gehebelte Positionen zum Auslöser, wodurch eine Kettenreaktion erzwungener Liquidationen in Gang kam. Rund 249.000 Trader gerieten in diese Abwärtsspirale.
Die größte Einzel-Liquidation betraf eine Long-Position über 25,83 Mio. US-Dollar im Paar BTCUSDT auf Hyperliquid. Ein einziger Trade, fast 26 Mio. US-Dollar ausgelöscht.
Bei der Verteilung der Verluste stand Bitcoin wie üblich im Zentrum. Liquidationen in BTC-Positionen summierten sich auf rund 224 Mio. US-Dollar. Ethereum folgte mit etwa 121 Mio. US-Dollar. Der Rest verteilte sich auf Altcoin-Futures in dreistelliger Millionenhöhe. Parallel dazu gab der Fear and Greed Index spürbar nach und kippte die Stimmung von vorsichtigem Optimismus in deutlich skeptischere Bereiche.
Das Ereignis fügt sich in ein Muster des Jahres 2026: In ruhigen Phasen bauen sich bullische Futures-Positionierungen auf, die bei externen Schocks abrupt und aggressiv abgebaut werden. Auslöser waren bislang unter anderem makroökonomische Ankündigungen, Handelsspannungen und regulatorische Signale.
Für Anleger ist vor allem die Dominanz der Long-Liquidationen – rund 90% des Gesamtvolumens – ein Hinweis auf die Positionierung vor dem Einbruch. Ein derart einseitig bullischer Markt gilt als instabil, weil schon moderate Kursbewegungen nach unten umfangreiche Zwangsverkäufe auslösen können. Entsprechend rückt die Beobachtung von Positionierungsdaten, etwa über CoinGlass, in den Fokus: Wenn Long-to-Short-Verhältnisse stark in eine Richtung kippen, spannt sich die Marktstruktur wie eine Feder. Offen bleibt, was als Nächstes den Auslöser liefert.