Coinbase-Aktie rutscht um 10% ab: Entwurf zum CLARITY Act könnte Stablecoin-Renditen begrenzen

Die Aktie von Coinbase geriet am Dienstag deutlich unter Druck. Auslöser waren neue Entwurfsformulierungen im Umfeld der US-Krypto-Gesetzgebung, die Einschränkungen für Renditen auf Stablecoin-Guthaben vorsehen und damit einen zentralen Baustein des Geschäftsmodells treffen könnten. Im Zuge der Diskussionen rund um den CLARITY Act prüfen US-Gesetzgeber Regeln, die Ertragsangebote auf Stablecoin-Bestände untersagen würden, wenn diese wirtschaftlich Einlagen bei Banken ähneln. Nach dem aktuellen Entwurf dürften Plattformen keine Vergütungen mehr allein für das Halten von Stablecoins auszahlen – weder direkt noch über verbundene Strukturen. Aktivitätsbasierte Anreize, etwa für Transaktionen oder über Loyalty-Programme, sollen prinzipiell möglich bleiben; die Details sind noch Gegenstand der Verhandlungen. Im Handel fiel die Coinbase-Aktie um mehr als 10%. Auch Circle, der Emittent von USDC, verzeichnete deutliche Verluste. Marktteilnehmer reagierten insbesondere auf das Risiko, dass geringere oder wegfallende Halteanreize die USDC-Bestände auf Handelsplattformen wie Coinbase sinken lassen könnten. Die Journalistin Eleanor Terrett verwies darauf, dass eine Rendite auf passiven Stablecoin-Guthaben in den Gesprächen seit Beginn als kaum durchsetzbar gegolten habe und voraussichtlich nicht Teil eines finalen Pakets werde; sie deutete zugleich an, dass weitere Faktoren die Kursreaktion beeinflusst haben könnten. Coinbase erzielt einen Teil seiner Erlöse über die Partnerschaft mit Circle. Circle verwaltet die USDC-Reserven, die überwiegend in US-Staatsanleihen und ähnlichen Treasury-Instrumenten angelegt sind; die daraus resultierenden Erträge werden zwischen beiden Unternehmen geteilt. Coinbase nutzt einen Teil dieser Einnahmen, um Belohnungen für Nutzer zu finanzieren, die USDC auf der Plattform halten. Sollten Renditemechanismen eingeschränkt werden, könnte das die Ausschüttungslogik verändern und die Nachfrage nach Stablecoins dämpfen. Analysten verweisen zudem auf Formulierungen zur "wirtschaftlichen Gleichwertigkeit" von Zinsen, die – je nach Auslegung durch Aufseher – auch alternative Reward-Strukturen treffen könnten. Unterstützung für strengere Vorgaben kommt auch von Bankenseite: Branchenvertreter argumentieren, Stablecoin-Renditen könnten in Konkurrenz zu klassischen Einlagenprodukten treten. Die Verhandlungen zum CLARITY Act laufen weiter. Das Gesetz soll Leitplanken dafür setzen, wie digitale Vermögenswerte und Kryptomärkte in den USA reguliert werden. Diskutiert wird unter anderem eine Kompromisslinie, die renditeähnliche Angebote im Stil von Einlagekonten begrenzt, aktivitätsbezogene Anreize aber zulässt. Der Entwurf sieht außerdem vor, dass Behörden wie das US-Finanzministerium, die Securities and Exchange Commission (SEC) und die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) die Detailregeln ausarbeiten. Der Zeitplan bleibt offen, da politische Prioritäten und Wahljahresüberlegungen den Fortgang beeinflussen können. Coinbase gilt als besonders volatil: In den vergangenen zwölf Monaten gab es Dutzende Kursbewegungen von mehr als 5%. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie rund 24,8% im Minus und notiert deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von 419,78 US-Dollar. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag COIN 10% tiefer bei 183 US-Dollar. Der Rücksetzer folgt auf eine Phase verbesserter Stimmung, in der Coinbase nach der Einführung von AgentKit zulegen konnte. Das gemeinsam mit World und Cloudflare entwickelte Tool soll KI-Agenten verifizierte Transaktionen und Micropayments ermöglichen und steht für den Vorstoß des Unternehmens in neue Erlösfelder. Trotz dieser Impulse belasten regulatorische Unsicherheiten und die anhaltende Volatilität im Kryptomarkt weiter die Anlegerstimmung. Bitcoin notierte zuletzt in der Nähe von 70.000 US-Dollar; die Schwankungen tragen zur Unsicherheit bei kryptoaffinen Aktien bei.