Citi-Studie: Bitcoin stärker durch Quantencomputer bedroht als Ethereum
Citibank warnt in einer in dieser Woche veröffentlichten Analyse, dass die Entwicklung im Quantencomputing schneller voranschreitet als bislang angenommen. Dadurch rückt der Zeitpunkt möglicher Angriffe auf Krypto-Assets näher. In der Bewertung sieht Citi Bitcoin stärker gefährdet als Ethereum – ausschlaggebend seien neben technischen Unterschieden vor allem die unterschiedlichen Geschwindigkeiten, mit denen die Netzwerke Upgrades umsetzen können.
Analysten verweisen auf eine schrumpfende Zeitschätzung bis zum sogenannten "QDay", dem Moment, in dem Quantencomputer bestehende kryptografische Verfahren knacken könnten. Google kommt in jüngsten Forschungsarbeiten zu dem Schluss, dass ein System mit rund 500.000 Qubits relevante Verschlüsselung theoretisch in wenigen Minuten brechen könnte. Solche Maschinen existieren derzeit nicht, Citi betont aber, dass sich externe Einschätzungen kontinuierlich nach vorn verschieben. Google nennt 2032 als Zeithorizont, einzelne Forscher halten ein Auftreten der Bedrohung bereits ab 2030 für möglich.
Für Bitcoin sieht Citi strukturelle Risiken: Sobald ein Nutzer eine Transaktion anstößt, wird der öffentliche Schlüssel des Senders im Netzwerk sichtbar, bevor die Transaktion bestätigt ist. Angreifer könnten in diesem Zeitfenster theoretisch den privaten Schlüssel ableiten und die Mittel abziehen. Als größere Hürde gilt die Umstellung selbst: Der Wechsel auf quantenresistente Kryptografie würde nach Einschätzung von Citi breite Zustimmung im Netzwerk, umfangreiche Tests und möglicherweise einen Hard Fork erfordern. Das auf Konsens und Vorsicht ausgerichtete Governance-Modell stütze zwar die Glaubwürdigkeit, bremse aber Protokollanpassungen.
Zusätzlich verweist der Bericht auf Bestände in "schlafenden" Wallets: Rund 6,7 bis 7 Millionen BTC sollen demnach in Wallets liegen, bei denen öffentliche Schlüssel bereits offengelegt wurden – ein potenziell konzentriertes Ziel. Darunter werden weithin etwa 1 Million Bitcoin vermutet, die Satoshi Nakamoto in der Frühphase gemined haben soll, die nie bewegt wurden und ein älteres Adressformat nutzen. Zum aktuellen Kursniveau entspreche das einem Wert von rund 82 Milliarden US-Dollar.
Ethereum habe mehr Spielraum, so Citi: Ethereum und andere Proof-of-Stake-Netzwerke seien aufgrund flexiblerer Governance-Mechanismen und eines konsistenteren langfristigen Upgrade-Tempos tendenziell besser positioniert, um Quantenrisiken zu adressieren. Unverwundbar seien sie dennoch nicht. Sollten Angreifer mithilfe von Quantenfähigkeiten genügend private Schlüssel erlangen, könnten sie theoretisch etwa 33% der gestakten Assets kontrollieren und so die Block-Finalität stören oder den Netzbetrieb beeinträchtigen.
Für Bitcoin hebt Citi die Vorschläge BIP360 und BIP361 als zentrale Initiativen hervor, deren Fortschritt im Kontext quantenresistenter Maßnahmen zu beobachten sei. Kernaussage der Studie: Die langfristige Widerstandsfähigkeit hänge weniger vom heutigen Design ab, sondern vor allem davon, wie schnell sich ein Netzwerk anpassen kann.
Ein ähnliches Bild zeichnete zuletzt Michael Shaulov, CEO von Fireblocks, auf dem Financial Times Digital Assets Summit in Großbritannien. Er sagte, die Quantencomputer-Herausforderung für Bitcoin sei vor allem eine Frage der Koordination innerhalb der Community – nicht nur ein technisches Problem.