Durchgesickerter CLARITY-Act-Entwurf drückt Circle-Aktie um über 20%
Die Aktie von Circle (CRCL) hat am 24. März ihren stärksten Tagesverlust seit dem Börsengang im Juni 2025 verzeichnet. Auslöser war ein durchgesickerter Entwurf des US-Senats zum CLARITY Act, der eine Untersagung passiver Stablecoin-Renditen vorsieht. Technisch markant: Der Abverkauf riss CRCL unter die 20-Tage-EMA – erst zum zweiten Mal seit dem IPO. Beim ersten Bruch folgte in der Spitze ein Rückgang von rund 52%.
Im Kern zielt die neue Formulierung darauf ab, Vergütungen für das bloße Halten von Stablecoins zu verbieten. Untersagt werden sollen zudem Konstrukte, die auf Stablecoin-Guthaben „wirtschaftlich einem Zins“ gleichkommen. Zugelassen ist nur eine eng gefasste Ausnahme für aktivitätsbasierte Prämien, etwa im Rahmen von Treueprogrammen, Transaktionen oder Plattformnutzung. Was genau als „Aktivität“ gilt, bleibt im Entwurf unklar.
Die Passage ist für Circle heikel, weil Ertragsbeteiligungen als wichtiger Treiber der USDC-Nachfrage gelten. Coinbase zahlt derzeit 3,5% auf Stablecoin-Bestände, und etwa 20% der Quartalsumsätze von Coinbase stammen aus der USDC-Distributionspartnerschaft mit Circle. Ein Verbot passiver Renditen würde dieses Modell faktisch ausbremsen. Die Coinbase-Aktie gab am selben Tag um rund 10% nach. Coinbase-CEO Brian Armstrong hatte bereits im Januar wegen Renditebeschränkungen seine Unterstützung für eine frühere Senatsfassung zurückgezogen und damit den Markup-Prozess vorübergehend ausgebremst.
Zusätzlicher Gegenwind kam ausgerechnet von Tether: Am Tag des Leaks teilte das Unternehmen mit, erstmals eine Big-Four-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für eine vollständige Prüfung der USDT-Reserven beauftragt zu haben. Fox-Business-Journalistin Eleanor Terrett wies zudem darauf hin, dass die Renditebeschränkung seit Monaten öffentlich diskutiert werde, unter anderem durch Aussagen von Senatoren wie Thom Tillis und Angela Alsobrooks. Auf X schrieb sie, es sei „trotzdem überraschend, dass die Aktie so reagiert, obwohl das so öffentlich war“.
Charttechnisch wird es für CRCL-Anleger nun unangenehm. Der Bruch der 20-Tage-EMA ist historisch der einzige vergleichbare Vorläufer: Damals folgte ein Rückgang von rund 52% vom Hoch bis zum Tief. Sollte sich dieses Muster wiederholen, läge ein möglicher Zielkorridor im Bereich von 49 bis 52 US-Dollar. Das ist keine Prognose, aber bei nur einem Referenzpunkt in der kurzen Börsenhistorie schwer zu ignorieren.
Zuvor liegen mehrere wichtige Marken: Die 50- und 100-Tage-EMAs verlaufen bei etwa 94 bzw. 97 US-Dollar und gelten als erste Verteidigungslinien. Darunter wartet bei 68 US-Dollar die nächste größere Unterstützungszone. Erst wenn diese Ebenen brechen, rückt der Bereich um 50 US-Dollar in den Fokus. CRCL schloss am Montag bei 126 US-Dollar und markierte am Dienstag ein Tagestief nahe 98 US-Dollar.
Fundamental ist die bullische Argumentation allerdings nicht vom Tisch. Circle meldete für Q4 2025 einen Umsatz von 770 Mio. US-Dollar, ein Plus von 77% gegenüber dem Vorjahr. Baird hob das Kursziel für CRCL erst vor wenigen Wochen auf 138 US-Dollar an und bestätigte das Rating „Outperform“. Zudem treibt Circle die Expansion außerhalb der USA voran – mit Lobbying in der EU und einem Afrika-Rollout über eine Partnerschaft mit Sasai Fintech.
Gesetzgeberisch ist die Sache noch offen: Der CLARITY Act benötigt weiterhin Stimmen im Senat; zudem steht ein Markup Ende April an. Polymarket beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass das Gesetz 2026 tatsächlich in Kraft tritt, aktuell auf rund 63%. Damit bleibt Spielraum, dass die Formulierungen bis zur finalen Fassung abgeschwächt oder umgebaut werden. Bis der Markt diese Klarheit hat, wird CRCL jedoch so gehandelt, als sei das Worst-Case-Szenario bereits eingepreist.