Circle friert 12,6 Mio. US-Dollar in Zamas "Confidential USDC"-Contract ein
Circle hat am 30. Mai den "Confidential USDC"-Contract (cUSDC) des Privacy-Protokolls Zama auf Ethereum auf eine Blacklist gesetzt. Damit wurden Vermögenswerte von rund 12,6 Mio. US-Dollar eingefroren, die in dem cUSDC-Token-Contract gebunden sind. In der Folge können Inhaber von cUSDC ihre Token nicht mehr in regulären USDC einlösen. Der Schritt rückt erneut die Frage in den Fokus, wie stark Emittenten die Kontrolle über privacy-orientierte DeFi-Protokolle ausüben können.
Circle als USDC-Emittent betreibt im USDC-Smart-Contract eine integrierte Blacklist. Autorisierte Circle-Konten können Adressen hinzufügen; gelistete Adressen sind dann vom Senden und Empfangen des Stablecoins ausgeschlossen. Beim eingefrorenen Contract handelt es sich um einen ERC1967-Proxy, der USDC treuhänderisch für die cUSDC-Tokenhalter hält. Zamas Privacy-Ansatz nutzt Fully Homomorphic Encryption (FHE), um Kontostände und Transferbeträge auf öffentlichen Blockchains zu verschleiern.
Eine öffentliche Begründung für die Entscheidung lieferte Circle bislang nicht. In der Vergangenheit standen Einfrierungen häufig im Zusammenhang mit Sanktionsanordnungen, gerichtlichen Vorgaben oder dem Verdacht auf illegale Aktivitäten. 2022 setzte Circle beispielsweise USDC in Verbindung mit Tornado Cash auf die Blacklist, nachdem das US-Finanzministerium den Mixer sanktioniert hatte.
Der Onchain-Ermittler ZachXBT führte die zugrunde liegenden Mittel auf eine Wallet zurück, die am 11. Mai 12,4 Mio. USDC bei Zama eingezahlt haben soll. Diese Wallet wird offenbar Overnight Finance zugeordnet. Overnight Finance hatte kürzlich eine Snapshot-Governance-Abstimmung durchgeführt, um Treasury-Mittel zu verteilen, nachdem Tokenhalter dem Team vorgeworfen hatten, einen Rug Pull vorzubereiten. Der Konflikt könnte die Einfrierung ausgelöst haben.
Unabhängig vom Auslöser gilt der Vorgang als präzedenzbildend, weil Verträge oder Adressen eines Protokolls einseitig eingefroren werden können, obwohl Mittel mit Einlagen anderer Zama-Nutzer vermischt wurden. Durch diese Vermischung riskieren auch unbeteiligte cUSDC-Inhaber, gemeinsam mit einer gezielt adressierten Partei ausgesperrt zu werden.
Der Fall unterstreicht die bekannte Spannung zwischen Privacy-Protokollen und fiatbesicherten Stablecoins. Trotz dezentraler Infrastruktur behält Circle die einseitige Befugnis, Guthaben zu sperren. Kritiker warnen seit Langem, dass zentrale Emittenten zu Engpässen im System werden. Zusätzliche Dynamik erhielt die Debatte in diesem Jahr, nachdem Circle Pläne für reversiblen USDC ins Spiel gebracht hatte, bei dem Transaktionen unter bestimmten Bedingungen rückgängig gemacht werden könnten.
Ähnliche Bedenken werden auch im Zusammenhang mit Coinbases Möglichkeit diskutiert, gestaktes Ethereum über Smart Contracts zu blockieren. Für cUSDC-Halter ist aktuell kein klarer Weg erkennbar, wie sie ihre Mittel zurückerhalten können, solange die Sperre besteht. Zama und Circle haben bislang keine öffentlichen Erklärungen zu den betroffenen Nutzern abgegeben. Circle könnte die Maßnahme zurücknehmen oder eine Begründung nachreichen; die Entscheidung dürfte beeinflussen, wie Privacy-Projekte künftig den Aufbau auf zentral emittierten Stablecoins bewerten.