Charles Schwab startet in den nächsten Wochen mit Spot-Handel für Bitcoin und Ethereum
Charles Schwab will den Spot-Handel mit Kryptowährungen für Privatkunden schrittweise einführen. In den nächsten Wochen sollen Kundinnen und Kunden direkten Zugang zu Bitcoin und Ethereum erhalten. Das neue Angebot trägt den Namen Schwab Crypto und markiert den formellen Einstieg des Brokers in den Spot-Krypto-Handel. Bislang konnten Anleger über die Plattform bereits über börsengehandelte Produkte, Futures, Optionen sowie krypto-bezogene Fonds am Markt partizipieren.
Schwab Crypto soll den Handel mit Bitcoin und Ethereum neben klassischen Anlagen über Schwab.com, die Schwab-Mobile-App und thinkorswim ermöglichen. Das Produkt richtet sich an Retail-Investoren, die große Kryptowährungen direkt handeln möchten, ihre Bestände aber innerhalb des gewohnten Schwab-Ökosystems bündeln wollen.
Für jede Krypto-Transaktion plant Schwab eine Gebühr von 75 Basispunkten bzw. 0,75% auf den Gegenwert. Damit läge Schwab unter Fidelity Crypto mit 1% und im Bereich anderer Retail-Plattformen wie Robinhood und Coinbase.
Zum Start unterstützt Schwab Crypto ausschließlich Bitcoin und Ethereum. Nach Angaben des Unternehmens stehen beide zusammen für rund drei Viertel der gesamten Marktkapitalisierung des Kryptomarkts. Weitere Kryptowährungen sollen später folgen. Zudem plant Schwab Transferfunktionen für Ein- und Auszahlungen, damit Kunden digitale Vermögenswerte künftig auf die Plattform übertragen können.
Voraussetzung ist ein separates Krypto-Konto bei der Charles Schwab Premier Bank, das direkt mit dem Brokerage-Konto verknüpft wird. Die Schwab Premier Bank übernimmt die Verwahrung sowie die sichere Aufbewahrung und Dokumentation der Bestände. Für Sub-Custody und Trade-Ausführung wurde Paxos ausgewählt, ein von der OCC regulierter Anbieter von Blockchain-Infrastruktur.
Jonathan Craig, Leiter Retail Investing bei Schwab, sagte, das Angebot solle Krypto-Zugang im Zusammenspiel mit den übrigen Investments ermöglichen und dabei auf Research, Service und Bildungsangebote der Marke Schwab aufsetzen. Joe Vietri, Head of Digital Assets, betonte das Ziel eines integrierten Investment- und Banking-Erlebnisses für Kunden, die Krypto-Exposure ins Portfolio aufnehmen wollen.
Der Schritt fällt in eine Phase, in der traditionelle Finanzhäuser ihre Digital-Asset-Angebote ausweiten, während Krypto-Plattformen in Richtung Aktienhandel und breitere Finanzdienstleistungen expandieren. Morgan Stanley habe kürzlich einen Spot-Bitcoin-ETF aufgelegt, Goldman Sachs einen Bitcoin-Income-ETF beantragt, heißt es in den vorliegenden Unterlagen. Fidelity, einer der größten Wettbewerber von Schwab, ist früher in den Kryptomarkt eingestiegen und brachte 2023 eine Krypto-Trading-App heraus.
Parallel erweitern Krypto-native Anbieter ihr Angebot: Coinbase begann im Januar mit der Einführung von provisionsfreiem Aktienhandel, Kraken folgte in dieser Woche mit einem Aktienangebot. Schwab positioniert sich damit stärker im Wettbewerb sowohl mit klassischen Brokern als auch mit Digital-Asset-Plattformen, die Multi-Asset-Geschäfte aufbauen.
Schwab verweist als zentralen Treiber auf die Kundennachfrage. Führungskräfte erklärten laut den bereitgestellten Materialien, viele Kunden hielten den Großteil ihres Vermögens bereits bei Schwab, lagerten für Krypto-Engagements aber einen kleinen Teil bei digitalen Anbietern. Schwab Crypto soll diese Vermögenswerte wieder in eine Konto-Umgebung zurückholen.
Neben dem Handel soll das Angebot Bildungsinhalte, Marktkommentare und Coaching-Ressourcen über das Schwab Center for Financial Research sowie Schwab Coaching umfassen. Zusätzlich stellt Schwab einen 24/7-Support per Telefon oder Chat in Aussicht. Das Unternehmen verweist auf eine Umfrage aus 2025 unter 460 aktuellen und potenziellen Krypto-Investoren, wonach niedrige und transparente Preise, Markenreputation und die Sicherheit der Vermögenswerte zu den wichtigsten Auswahlkriterien für eine Krypto-Handelsplattform zählen.
Die Schwab-Aktie fiel am Donnerstag um rund 5%, nachdem das Unternehmen zuvor am Tag einen Umsatz unter den Erwartungen für das erste Quartal gemeldet hatte.