Chaos Labs legt Risiko-Mandat bei Aave nieder – Streit um V4-Ansatz
Chaos Labs zieht sich nach eigenen Angaben nach fast drei Jahren als zentraler Risiko-Dienstleister von Aave zurück. Die Zusammenarbeit bilde nicht mehr ab, wie Risikomanagement bei der Größe der größten DeFi-Lending-Plattform organisiert sein sollte.
In einem am Montag veröffentlichten Beitrag erklärte das Unternehmen, seit November 2022 jeden auf Aave gestarteten Kredit bepreist und das Risiko in sämtlichen Aave-V2- und V3-Märkten gemanagt zu haben – ohne nennenswerte Ausfälle. Dennoch strebe man eine Beendigung der Zusammenarbeit aktiv an.
Chaos Labs betonte, es gehe nicht primär um Budgetfragen, sondern um unterschiedliche Prioritäten beim Risikoprofil mit Blick auf Aave V4. V4 beschrieb die Firma als neues Kreditprotokoll mit anderer Architektur, größerem Umfang sowie höherer rechtlicher und operativer Belastung. Der Übergang erfordere neue Infrastruktur und Tools; zudem müssten V3 und V4 parallel betreut werden – potenziell über einen langen Migrationszeitraum.
Auch wirtschaftlich passe das Mandat nicht mehr. Chaos Labs gab an, den Aave-Auftrag in den vergangenen drei Jahren mit Verlust betrieben zu haben; selbst eine diskutierte Erhöhung auf 5 Mio. US-Dollar würde das Mandat weiter mit negativen Margen belassen. Aave habe 2025 rund 142 Mio. US-Dollar Umsatz erzielt, während das Budget von Chaos Labs bei etwa 2% der Protokollerlöse gelegen habe – deutlich unter den 6% bis 10%, die Banken typischerweise für Compliance- und Risiko-Infrastruktur aufwenden.
Der Schritt ist auch deshalb bemerkenswert, weil Chaos Labs zu den bekannteren Infrastruktur-Anbietern für DeFi-Risiko zählt. Das Unternehmen bietet nach eigenen Angaben Risiko-Analysen, Simulationen, modellbasierte Parametrierung und Echtzeit-Monitoring, um die Solvenz von Protokollen zu schützen und die Kapitaleffizienz zu erhöhen. Als Kernprodukt positioniert Chaos Labs zudem "Risk Oracles": Echtzeitsysteme, die Parameteranpassungen automatisieren sollen, sobald sich Marktbedingungen ändern. Das Unternehmen vermarktet sich als Anbieter institutionstauglicher Risiko-Infrastruktur für Krypto.
2024 meldete Chaos Labs eine Series-A-Finanzierungsrunde über 55 Mio. US-Dollar unter Führung von Haun Ventures; die Gesamtfinanzierung habe damals 70 Mio. US-Dollar erreicht. Das galt als Signal für das wachsende Investoreninteresse an anspruchsvolleren Risiko-Tools, während DeFi-Protokolle skalieren.
Für Aave verschärft der Zeitpunkt den Druck rund um Governance und Beitragende im Zuge der V4-Umstellung. Chaos Labs erklärte, zentrale Mitwirkende, die V3 aufgebaut und betrieben hätten, seien bereits ausgeschieden; man selbst sei der letzte technische Contributor aus dieser früheren Gruppe. In den Governance-Debatten der vergangenen Wochen sei zudem deutlich geworden, wie stark die DAO bei Aufbau von Einnahmebasis und operativer Resilienz auf Dienstleister wie Chaos Labs, BGD, TokenLogic und weitere angewiesen war.