US-Aufsicht warnt: 24/7-Handel passt eher zu Krypto als zu klassischen Märkten
Die US-Derivateaufsicht Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hat in einem am Freitag veröffentlichten Schreiben an die von ihr regulierten Börsen und Clearingstellen vor einer Ausweitung des Handels auf einen 24/7-Betrieb in Teilen der traditionellen Märkte gewarnt. Rund-um-die-Uhr-Handel könne für neue, "blockchain-native" Marktteilnehmer funktionieren, sei aber wegen struktureller Unterschiede nicht automatisch für alle Anlageklassen geeignet, hieß es.
"Aufgrund der inhärenten Unterschiede der zugrunde liegenden Märkte ist der Wechsel zu 24/7-Handel und -Clearing derzeit möglicherweise nicht für alle Anlageklassen geeignet", schrieb die Behörde. Die Fähigkeit, Märkte dauerhaft zu betreiben, gehe teils mit technologischen Entwicklungen einher: Blockchain-Netzwerke und dezentrale Infrastruktur, alternative Sicherheiten wie Stablecoins und Krypto-Assets sowie der Marktzugang über Smartphones und Apps. Infolge dieser Entwicklung böten immer mehr Plattformen mit einer wachsenden Produktpalette Privatanlegern und Institutionellen einen durchgehenden Zugang.
Für andere Derivatemärkte sieht die CFTC Grenzen. Märkte wie Agrarprodukte seien wegen ihrer spezifischen Kundengruppen, regionalen Prägung sowie spezialisierten Handels- und Absicherungspraktiken weniger geeignet für 24/7-Handel.
Im Fokus der Behörde steht das Risiko von Marktmissbrauch in schwächer beobachteten Nebenzeiten. Eine Umstellung auf einen 24/7-Zeitplan könne bei bestimmten Märkten oder Produkten zu geringerer Liquidität, höherer Volatilität und breiteren Bid/Ask-Spreads führen und damit die Möglichkeiten für Manipulation erhöhen. Plattformen seien als erste Verteidigungslinie für die Marktaufsicht verantwortlich und sollten zusätzliche Compliance-Maßnahmen einführen, um die besonderen Herausforderungen längerer Handelszeiten zu adressieren. Die CFTC forderte Unternehmen zudem auf, geplante Ausweitungen der Handelszeiten frühzeitig mit der Behörde zu kommunizieren.
Das Schreiben erschien am selben Tag, an dem die CFTC Krypto-Plattformen eine wichtige Genehmigung erteilte: Native Krypto-Anbieter dürfen demnach unbefristete Futures-Kontrakte (Perpetual Futures) anbieten. Das unterstreiche eine mögliche wachsende Trennlinie zwischen etablierten Marktteilnehmern und neuen Anbietern.
CFTC-Chef Mike Selig treibt nach Angaben der Behörde die Öffnung gegenüber neuen Technologien wie Krypto und Prediction Markets voran. Seine Linie, die auch mit Vorgaben und Rückenwind von Präsident Donald Trump begründet wird, habe zu einer intensiveren Arbeit an Krypto-Regelwerken geführt, die der Branche einen klareren regulatorischen Pfad eröffnen sollen.
Coinbase, ein von der CFTC überwachtes Krypto-Unternehmen, erklärte am Freitag in einem Blogbeitrag, es wolle traditionelle Finanzdienstleistungen auf Krypto-Infrastruktur neu aufbauen. "Aktien, Futures und Prediction Markets laufen auf unserer Plattform rund um die Uhr", so das Unternehmen. Coinbase verwies dabei auf die neue Erlaubnis der Behörde für globale Optionen und Perpetuals über eine seiner CFTC-regulierten Einheiten. "Die heutige Ankündigung ergänzt dieses Angebot um die größte und liquideste Kategorie des globalen Krypto-Handels", hieß es.