Bitcoin scheitert an zentraler Bärenmarkt-Trendlinie – bullisches $88.000-Szenario gerät unter Druck

Erst gestern hatte CoinDesk berichtet, dass Analysten Bitcoin trotz anhaltender geopolitischer Risiken dank mehrerer krypto-spezifischer Faktoren, darunter positive Marktströme, einen Anstieg bis $88.000 und darüber hinaus zutrauen. Rund 16 Stunden später sendet der Chart jedoch ein deutliches Warnsignal. Der Bitcoin-Kurs (BTC) bei $70.841,40 ist an einem der wichtigsten technischen Niveaus abgeprallt: einer fallenden Trendlinie, die seit Oktober besteht, als Bitcoin sein Hoch oberhalb von $126.000 markierte. Genau an dieser Widerstandszone drehte der Kurs erneut nach unten. Eine fallende Trendlinie entsteht, wenn sukzessive niedrigere Hochs miteinander verbunden werden. Sie steht für nachlassende Kaufkraft und zunehmende Kontrolle der Verkäufer. Je länger eine solche Linie hält und je häufiger Kurse daran scheitern, desto stärker gilt sie als Signal für einen anhaltenden Bärenmarkt. Im Fall von Bitcoin verläuft diese Trendlinie seit dem Hoch bei $126.000 im Oktober 2025 abwärts – rund sechs Monate mit tieferen Hochs. Seit Anfang Februar erholte sich BTC zwar von knapp $60.000 auf über $71.000. Für sich genommen wirkt das konstruktiv, im größeren Bild handelt es sich jedoch um eine Gegenbewegung innerhalb des übergeordneten Abwärtstrends, den die fallende Trendlinie definiert. In der Nacht wurde die Trendlinie erneut getestet, anschließend setzte wieder Abwärtsdruck ein. Technische Analysten sprechen in diesem Fall von einer "Trendlinien-Abweisung": Der Markt lief in den Widerstand, bestätigte ihn und drehte zurück. Solange BTC nicht mit nennenswertem Volumen oberhalb dieser Trendlinie schließt – statt sie nur intraday kurz zu überschreiten – bleibt der Widerstand maßgeblich, und der übergeordnete Abwärtstrend ist intakt. Am Sonntag hatten Analysten mehrere fundamentale Treiber für eine Rally bis $88.000 genannt, darunter Daten wie Coinbase-Premium, ETF-Zuflüsse und Makroindikatoren. Der Chart zeigt jedoch das aktuelle Geschehen – und die Lehrbuch-Abweisung an der sechs Monate alten Bärenmarkt-Trendlinie mahnt zur Vorsicht. Ausgehend von dieser Trendlinie ergeben sich zwei zentrale Szenarien. Erstens: Die erneute Abweisung begünstigt stärkeren Verkaufsdruck und könnte einen tieferen Rücksetzer bis $65.000 auslösen. Zweitens: BTC arbeitet sich wieder nach oben und durchbricht die Trendlinie nachhaltig. Das wäre ein klar positives Signal und würde das Chartbild stärker mit der bullischen Fundamentalerzählung in Einklang bringen. Bis dieses zweite Szenario eintritt, erzählen Kursbild und Bull Case zwei unterschiedliche Geschichten.