Trump verlängert Waffenruhe auf unbestimmte Zeit – Bitcoin reagiert mit Kursausschlägen
US-Präsident Donald Trump hat am 22. April zunächst in einem Telefoninterview mit CNBC's "Squawk Box" Zweifel an einer Verlängerung der Waffenruhe geäußert. "Ich will die Waffenruhe nicht verlängern. Uns bleibt nicht mehr viel Zeit. Ich erwarte, dass die Bombardierungen beginnen, weil ich glaube, dass das eine bessere Ausgangsposition ist", sagte er.
Wenige Stunden später folgte die Kehrtwende: Auf Truth Social erklärte Trump, die Verlängerung der Waffenruhe auf unbestimmte Zeit bleibe in Kraft – bis Iran einen Vorschlag vorlege und die Verhandlungen "irgendwie" zu einem Ende kämen. Als Begründung nannte er einen Appell des pakistanischen Armeechefs und des Premierministers sowie eine "schwere Spaltung innerhalb der iranischen Regierung". Beobachter ordnen den Schritt als typischen "TACO"-Moment ein: keine aktive diplomatische Errungenschaft, sondern eine Entscheidung unter Termindruck, ohne überzeugende Alternativen.
Ausgangspunkt der Zuspitzung waren Gespräche in Islamabad am 11. April. US-Vizepräsident Vance führte eine US-Delegation nach Pakistan; die direkten Gespräche mit Iran dauerten 21 Stunden und galten als hochrangigste Kontakte seit der Islamischen Revolution 1979. Nach der Abreise erklärte Vance, Iran habe "die US-Bedingungen abgelehnt". Kernforderung Washingtons: Iran solle sich eindeutig verpflichten, "keine Atomwaffen anzustreben" – nicht nur den Bau von Nuklearbomben auszuschließen, sondern auch technologische Fähigkeiten aufzugeben, die eine schnelle Nuklearbewaffnung ermöglichen könnten. Teheran stimmte dem nicht zu. Irans Chefunterhändler und Parlamentspräsident Kalibaf sagte, die USA müssten erst entscheiden, ob sie "unser Vertrauen verdienen".
Nach dem Scheitern kündigten die USA umgehend eine Seeblockade der Straße von Hormus an. Der zugrunde liegende Waffenruhe-Rahmen war am 8. April vereinbart worden, mit Ablaufdatum 22. April. Kurz vor Fristende verschärfte sich die Lage: Iran hatte seine Teilnahme an der zweiten Gesprächsrunde nicht bestätigt; Pakistans Informationsminister erklärte öffentlich, "bis heute ist keine formelle Antwort eingegangen". Pakistan erhöhte vorsorglich die Sicherheitsmaßnahmen in Islamabad, unter anderem mit Sicherheitskräften rund um das Serena Hotel – ein Detail, das laut Beobachtern darauf hindeutet, dass man weiter auf eine Zusage Teherans wartete.
Vance wollte ursprünglich erneut nach Islamabad fliegen, die Reise wurde nach internen Beratungen im Weißen Haus auf unbestimmte Zeit verschoben. Das "Wall Street Journal" berichtete, Trump habe privat sogar über eine komplette Absage gesprochen, weil Iran bei der Urananreicherung keine Zugeständnisse mache. Irans Verhandlungsteam ließ den USA über pakistanische Vermittler ausrichten, unter diesen Umständen seien Gespräche Zeitverschwendung, da Washington ein substanzielles Abkommen verhindere.
Parallel wächst der innenpolitische Druck in den USA. Die Deutsche Bank hat einen "Stressindex" entwickelt, der Inflationserwartungen und Renditen von US-Staatsanleihen kombiniert, um mögliche Zeitpunkte für Kurswechsel im Weißen Haus zu skizzieren. Demnach wird die Haltung der Regierung deutlich weicher, wenn der Ölpreis in Richtung 95–100 US-Dollar je Barrel läuft; spürbarer politischer Druck entstehe erst, wenn die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries nahe 4,5% liegt. WTI notiert inzwischen über 90 US-Dollar. Sollte die Lage nach Ablauf der Waffenruhe erneut eskalieren, gilt ein Sprung über 100 US-Dollar nicht als ausgeschlossen. Historisch haben Benzinpreise über 4 US-Dollar je Gallone die Zustimmungswerte amtierender US-Regierungen stark belastet.
Hinzu kommt Trumps geplante China-Reise Mitte Mai: Er will als "Sieger" auftreten, nicht als "Kriegspräsident". Das verschiebt die Verhandlungsmacht zugunsten Teherans und erhöht in Washington den Anreiz, Fristen flexibler zu handhaben. Aus dieser Perspektive ist "auf unbestimmte Zeit verlängert" eher ein innenpolitisches Signal als ein diplomatisches Entgegenkommen gegenüber Iran – es verschafft Zeit, ohne eine Niederlage einzugestehen.
Axios wertete die Verlängerung als Schritt, der eine Wiederaufnahme der Kämpfe und eine großflächige regionale Eskalation vermeidet, zugleich aber Trumps eigenen Verhandlungshebel schwächt. Glaubwürdige Drohungen lebten vom echten Countdown; jeder "TACO"-Moment untergrabe die nächste Drohung.
Auch in Iran fällt die Reaktion gespalten aus. Das Staatsfernsehen zeichnet ein Siegesnarrativ: Iran sei der "Sieger auf dem Schlachtfeld", die Kontrolle über die Straße von Hormus sein wertvollstes Pfand; man habe zwar einer Pause militärischer Operationen zugestimmt, "doch der Krieg ist nicht vorbei". Zugleich warnt es, Verhandlungen dürften keine Themen umfassen, die Irans "Unabhängigkeit und Würde" verletzten; Priorität hätten Verteidigung und Raketenfähigkeiten, nukleare Fähigkeiten und Technologie. Hardliner formulieren schärfer: Ein Berater des Parlamentspräsidenten erklärte, Trumps Verlängerung sei bedeutungslos, "die verlierende Seite kann die Bedingungen nicht diktieren", und warnte, die Verlängerung diene dazu, "Zeit für einen Überraschungsangriff zu gewinnen".
Daneben gibt es moderatere Töne. Irans UN-Botschafter Ilvani sagte, die Regierung habe "einige Signale" erhalten, dass die USA die Blockade aufheben wollten. Sobald die Blockade beendet sei, werde "die nächste Verhandlungsrunde in Islamabad" stattfinden. Er betonte, die US-Seeblockade verstoße selbst gegen die Waffenruhe, ihre Aufhebung sei Voraussetzung für neue Gespräche. Auf die Frage nach seiner Zuversicht sagte er: "Wir sollten ihr eine Chance geben; wir bleiben hoffnungsvoll."
In der Sache bleibt der Konflikt unverändert: Die USA verlangen vollständige Denuklearisierung, Iran fordert zuerst die Aufhebung von Sanktionen. Beide Seiten gewinnen Zeit, um Spielräume zu schaffen.
Für den Kryptomarkt war in den vergangenen zwei Wochen vor allem die geopolitische Nachrichtenlage aus dem Nahen Osten kursbestimmend, weniger makroökonomische Faktoren. Am vergangenen Freitag sprang Bitcoin auf 78.300 US-Dollar und markierte den höchsten Stand seit Anfang Februar. Nach Irans Ankündigung, die Straße von Hormus zu schließen, fiel der Kurs in die Spanne von 75.000 bis 76.000 US-Dollar. Am 19. April rutschte Bitcoin nach der Beschlagnahmung des Schiffs "TOUSKA" durch US-Kräfte kurzzeitig unter 74.000 US-Dollar. Am 21. April stieg der Kurs nach der Nachricht zur verlängerten Waffenruhe wieder über 76.000 US-Dollar. Der Gesamtmarkt legte um mehr als 1% zu, die gesamte Marktkapitalisierung kletterte auf 2,55 Billionen US-Dollar. Nahezu jede Kursmarke korrespondierte mit einem konkreten Ereignis.
Institutionelle Nachfrage ist weiterhin sichtbar: Bitcoin-Spot-ETFs verzeichneten zwischen dem 14. und 17. April Nettozuflüsse von rund 1,29 Mrd. US-Dollar; in der Woche um den 10. April lagen die Zuflüsse bei etwa 1,1 Mrd. US-Dollar – zeitlich eng gekoppelt an Erwartungen rund um eine Waffenruhe vor und nach den Gesprächen in Islamabad. Rachel Lucas, Analystin bei BTC Markets, sagte: "Bitcoins aktuelle Widerstandsfähigkeit kommt weniger aus dem Narrativ, sondern aus der Marktmechanik. Institutionelle Käufer, insbesondere Unternehmensfonds, akkumulieren bei jedem Rücksetzer aggressiv." Sie verwies zudem darauf, dass die Erholung mit dem Marktinteresse an der Anhörung des Fed-Chef-Kandidaten Walsh zusammenfalle, da Investoren sich für mögliche geldpolitische Veränderungen positionierten.
Die Marktstruktur sendet allerdings gemischte Signale. Nach der Rückkehr über 75.000 US-Dollar blieb der Funding-Satz für Perpetuals negativ – ein Hinweis darauf, dass Short-Positionen im Derivatemarkt dominieren. Steigende Spotpreise werden damit bislang eher von Short-Eindeckungen als von neuen Long-Positionen getragen. Deribit-Daten stützen dieses Bild: Rund 1,5 Mrd. US-Dollar an Bitcoin-Put-Optionen konzentrieren sich um 60.000 US-Dollar, während etwa 1,3 Mrd. US-Dollar an Call-Optionen um 75.000 US-Dollar liegen – eine Optionsstruktur ohne klare Richtung.
Markus Thielen, Research-Leiter bei 10x Research, sieht den Anstieg ebenfalls nicht von spürbaren Call-Käufen begleitet; der Markt werde im Kern durch Short-Covering getragen, nicht durch einen trendgetriebenen Aufwärtsimpuls. Hughes von Tokenize Capital erwartet, dass die Rally im kommenden Monat an Kraft verlieren könnte, mit dem Risiko weiterer Rückgänge im August. Noch vorsichtiger ist CryptoQuant: Das Onchain-Modell signalisiert Abwärtsdruck, mit einem möglichen Zwischentest der Unterstützung bei 70.000 US-Dollar. Sollte sich das Onchain-Momentum weiter abschwächen, reiche eine tiefere Korrektur bis in den Bereich von 56.000 US-Dollar.
Morgan-Stanley-Stratege Denny Galindo ordnet Bitcoin aktuell der "Herbst"-Phase des Vierjahreszyklus zu, der "Winter" rücke näher. Hält die Waffenruhe und gibt es konkrete Signale für eine Öffnung der Straße von Hormus, halten einige Analysten 80.000 US-Dollar bis Ende April für möglich. Diese Einschätzung hängt an mehreren Bedingungen: Die Waffenruhe muss stabil bleiben, die Blockade aufgehoben werden, die Verhandlungen vorankommen und die Erwartungen an die globale Energieversorgung müssen sich beruhigen, bevor die Risikobereitschaft wirklich zunimmt.
Zölle, Drohungen gegen Verbündete, Druck auf die US-Notenbank – in vielen Fällen kam am Ende der TACO-Moment, und Positionierungen auf eine Kehrtwende wurden belohnt. Doch TACO ist kein Naturgesetz, sondern ein Muster aus der Vergangenheit. Ein Kriegsszenario mit Iran unterscheidet sich von Handelsverhandlungen: Es geht um militärische Opfer, staatliche Würde und innenpolitische rote Linien. Jede neue TACO-Schleife zehrt an dem ohnehin knappen Rest gegenseitigen Vertrauens – und damit auch am Spielraum der Märkte, "TACO" einzupreisen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Muster irgendwann nicht mehr trägt.