Bitcoin rutscht unter 76.000 US-Dollar – Liquidationen von 565 Mio. US-Dollar binnen 24 Stunden

Der Kryptomarkt ist am Mittwoch im Zuge mehrerer makroökonomischer Impulse deutlich unter Druck geraten. Der Risikoappetit brach abrupt ein. Bitcoin fiel auf 75.472 US-Dollar und lag damit innerhalb von 24 Stunden 2,30% im Minus. Ethereum gab auf 2.240 US-Dollar nach (‑3,69%), XRP rutschte auf 1,36 US-Dollar (‑2,26%). Die gesamte Marktkapitalisierung sank um 2,06% auf 2,53 Billionen US-Dollar; damit wurden 5,65 Mrd. US-Dollar an Wert ausgelöscht. Mit dem Kursrutsch wurden gehebelte Positionen in großem Umfang aus dem Markt gespült. Long-Liquidationen summierten sich auf 370 Mio. US-Dollar – das stärkste Minus traf damit Trader, die auf weiter steigende Kurse gesetzt hatten. Short-Liquidationen beliefen sich auf 195 Mio. US-Dollar, was darauf hindeutet, dass auch einige Short-Seller Tempo und Richtung der vorherigen Aufwärtsbewegung falsch eingeschätzt hatten. Auslöser war kein einzelnes Ereignis. Drei separate makroökonomische Schocks folgten rasch aufeinander und verstärkten den Abgabedruck. Bei Jerome Powells letzter Sitzung als Fed-Chair ließ die US-Notenbank die Zinsen zwar unverändert, entscheidend war aber die Formulierung im Statement: Die Fed strich die bisherige Einschätzung, die Inflation sei "leicht erhöht", und ersetzte sie durch "die Inflation ist erhöht". Das wird am Markt als Hinweis gewertet, dass Zinssenkungen später kommen könnten als erwartet – und damit als Belastung für Liquidität, die Risikowerte in der Vergangenheit gestützt hat. Parallel sprang der Brent-Ölpreis auf rund 119,50 US-Dollar je Barrel und erreichte damit den höchsten Stand seit dem Höhepunkt des Iran-Konflikts 2022. Die Internationale Energieagentur bezeichnete die Lage als größte Bedrohung der Energiesicherheit in der Geschichte. Präsident Trump wies Irans Vorschlag zur Wiederöffnung der Straße von Hormus zurück; das US Central Command erklärte, man sei auf eine Serie von Angriffen gegen iranische Infrastruktur vorbereitet. Bei den wichtigsten Assets blieb Bitcoin zwar über 75.000 US-Dollar, unterschritt aber die psychologisch wichtige Marke von 76.000 US-Dollar. Ethereum notierte nahe 2.240 US-Dollar. Solana fiel auf 82,44 US-Dollar (‑2,81% am Tag), Dogecoin verlor 3,36%. Der Fear-&-Greed-Index liegt bei 39 und damit im Bereich "Fear" – ein Zeichen für Vorsicht statt Panik. Marktteilnehmer richten den Blick vor allem auf die Entwicklung im Iran-Konflikt und die Ölpreise als nächsten Richtungsimpuls. Mit dem offiziellen Ende der Powell-Ära und dem Amtsantritt eines neuen Fed-Chefs, steigenden Energiepreisen und anhaltenden Konflikten im Nahen Osten ist das makroökonomische Umfeld für Kryptowährungen im Mai deutlich komplexer als noch vor einer Woche. Weiterführend: Powell hält voraussichtlich letzte Rede, während die Zinsen unverändert bleiben