Bitcoin rutscht unter 200-Wochen-Linie – US-Arbeitsmarktbericht belastet
Bitcoin ist unter seinen 200-Wochen-Durchschnitt gefallen, eine vielbeachtete Marke für den langfristigen Trend. Der Spotpreis rutschte erstmals seit dem Tief des Bärenmarkts 2022 unter 61.000 US-Dollar. Der Abverkauf drückte BTC laut CoinGecko in den vergangenen sieben Tagen um rund 17% und gegenüber der 30-Tage-Spanne um mehr als 25%.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung notierte Bitcoin bei etwa 60.839 US-Dollar und damit mehr als 50% unter dem Allzeithoch von 126.080 US-Dollar aus Oktober 2025.
Der Bruch der Trendlinie folgte nur wenige Stunden auf einen stärker als erwarteten US-Arbeitsmarktbericht, der die Märkte dazu brachte, den Zeitpunkt möglicher Zinssenkungen der US-Notenbank neu zu bewerten. Das Bureau of Labor Statistics meldete für Mai einen Zuwachs von 172.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft, deutlich über der Prognose von rund 85.000. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,3%.
200-Wochen-Durchschnitt als Zyklusmarker
Der 200-Wochen-Durchschnitt gilt als zentrale Orientierungslinie für den Langfristtrend. In den Jahren 2015 bis 2020 markierte er jeweils das Ende der Bitcoin-Bärenzyklen. Nach dem Unterschreiten im Juni 2022 blieb Bitcoin rund 16 Monate darunter und erholte sich erst Ende 2023. Der aktuelle Wert liegt laut CoinGlass nahe 61.000 US-Dollar. Als stärkeres Signal gilt ein Wochenschluss unterhalb der Linie, nicht nur ein kurzfristiges Unterschreiten intraday. Bis Freitag hatte Bitcoin die Marke zwar berührt, eine Wochenkerze darunter aber noch nicht geschlossen.
Options-"Wall" bei 60.000 US-Dollar
Am Put-Strike von 60.000 US-Dollar liegt bei Deribit ein offenes Interesse von mehr als 1,1 Mrd. US-Dollar (Nominalwert) – die größte Konzentration auf einem einzelnen Strike, wie die Deribit-Website zeigt. Marktteilnehmer nutzen diese Puts zur Absicherung gegen einen stärkeren Rückgang. Gleichzeitig kann die Struktur den Druck verstärken: Sichern Market Maker ihre Short-Put-Positionen über Delta-Hedging ab, müssen sie mechanisch Spot-BTC oder Futures verkaufen, sobald sich der Kurs der 60.000er Marke nähert. Das kann Abwärtsbewegungen beschleunigen.
In dieser Woche kam es bereits zu erheblichen Zwangsliquidationen. CoinGlass weist für die vergangenen 24 Stunden liquidierte Long-Positionen in BTC von mehr als 617 Mio. US-Dollar aus. Die gesamten Krypto-Liquidationen lagen bei über 737 Mio. US-Dollar, wobei allein BTC diesen Betrag erreichte.
Saylor: Rotation in Richtung KI statt struktureller Schwäche
Strategy-Executive-Chairman Michael Saylor, dessen Unternehmen laut CoinGecko 843.706 BTC hält, interpretiert den Rückgang als Kapitalumschichtung. In einem Beitrag auf X am Donnerstag argumentierte er, die Kapitalmärkte finanzierten KI-Infrastruktur in historischem Ausmaß – rund 400 Mrd. US-Dollar in sechs Monaten. Die Schwäche von Bitcoin sei Ausdruck einer Rotation, nicht einer Beeinträchtigung des Assets. "Das ist eine Kapitalrotation, keine Beeinträchtigung von Bitcoin. Volatilität schafft Chancen", schrieb er.
The Defiant berichtete über jüngste Treasury-Schritte von Strategy, darunter den Anleihekauf zu Monatsbeginn, während sich die Narrative rund um die BTC-Position weiterentwickelt.
Makro-Faktor: Zinssenkungen rücken in die Ferne
Der Auslöser am Freitag war der Arbeitsmarktbericht für Mai. Die deutliche Überraschung nach oben senkt die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Fed-Zinssenkung spürbar. Niedrigere Zinsen gelten grundsätzlich als Rückenwind für Risikoanlagen, einschließlich Krypto. Nach der Veröffentlichung um 8:30 Uhr ET preisten die Futures-Märkte weniger Zinsschritte bis Jahresende ein.
Die Daten trafen zudem auf eine ohnehin schwache Marktphase: Einige Tracker sprechen von der bislang schlechtesten Bitcoin-Woche 2026. Die größten US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten über mehr als 11 Sitzungen in Folge Nettoabflüsse; in diesem Zeitraum wurden insgesamt rund 3,5 Mrd. US-Dollar aus den Produkten abgezogen.