Bitcoin und Ether mit stärkstem Wochenverlust seit FTX-Pleite – Kryptomarkt verliert 390 Mrd. US-Dollar

Krypto-Anleger haben eine der härtesten Handelswochen seit Jahren erlebt: Eine Verkaufswelle hat in den Märkten für digitale Vermögenswerte Hunderte Milliarden US-Dollar an Wert ausgelöscht. Bitcoin (BTC) fiel in dieser Woche um 17,3%, Ether (ETH) um 22% – damit steuern beide auf ihre größten Wochenverluste seit November 2022 zu, als der Kollaps der Börse FTX von Sam BankmanFried eine marktweite Panik auslöste. Nach einer leichten Beruhigung am Samstag notierten die beiden größten Kryptowährungen weiter nahe ihrer Tiefs. BTC lag knapp über 60.000 US-Dollar, ETH wechselte um 1.550 US-Dollar den Besitzer. Die Schwäche erfasste den gesamten Sektor. Der Kryptomarkt verlor laut TradingView im Wochenverlauf rund 390 Mrd. US-Dollar; die Gesamtmarktkapitalisierung pendelte damit nur noch knapp über 2 Bio. US-Dollar. Das ist weniger als die Hälfte des Hochs von nahezu 4,2 Bio. US-Dollar, das im Oktober erreicht wurde. Auch Derivatehändler traf es hart: Laut CoinGlass wurden in dieser Woche über den gesamten Kryptomarkt hinweg gehebelte Positionen im Volumen von rund 7 Mrd. US-Dollar liquidiert – die stärksten Bereinigungen gab es am Montag und am Freitag. Etwa 5,7 Mrd. US-Dollar entfielen auf Long-Positionen, also Wetten auf steigende Kurse. Auslöser war ein Zusammentreffen mehrerer Belastungsfaktoren. Zum Wochenauftakt meldete Strategy (MSTR), der größte корпоративate Bitcoin-Halter, erstmals seit fast vier Jahren einen BTC-Verkauf. Der Umfang war zwar gering – 32 BTC im Wert von rund 2,5 Mio. US-Dollar –, die Nachricht verunsicherte aber Investoren, die das Unternehmen von Michael Saylor lange als dauerhafte Nachfragequelle gesehen hatten. Zugleich wuchs die Spekulation, ob Strategy weitere Bitcoin veräußern könnte, um Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem wachsenden Bestand an Vorzugsaktien abzusichern. Parallel setzten sich Abflüsse aus Bitcoin-ETFs fort. Vetle Lunde, Research-Leiter bei K33 Research, argumentierte, dass ein Teil dieser Mittelabzüge eine breitere Kapitalrotation weg von Krypto hin zu Investments in Künstliche Intelligenz (KI) widerspiegele. Da KI-nahe Aktien neue Rekordstände erreichten und Anleger potenzielle Börsengänge von Unternehmen wie OpenAI, Anthropic und SpaceX einpreisten, werde "die Opportunitätskosten, BTC zu halten", für manche Investoren zunehmend schwer zu ignorieren, sagte Lunde. Zusätzlichen Druck erzeugten Sorgen, KI könne Schwachstellen in Krypto-Protokollen schneller aufdecken. Zcash (ZEC), einer der Top-Performer früher in diesem Jahr, brach um mehr als 40% ein, nachdem Forscher mit dem neuesten KI-Modell von Anthropic eine kritische Verwundbarkeit im Privatsphäre-System des Netzwerks identifiziert hatten. Den letzten Impuls lieferte am Freitag ein stärker als erwarteter US-Arbeitsmarktbericht, der die Erwartungen an den nächsten Schritt der US-Notenbank verschob. Märkte, die zu Jahresbeginn noch Zinssenkungen eingepreist hatten, rechnen inzwischen häufiger mit weiteren Erhöhungen, falls die Inflation hartnäckig hoch bleibt. Renditen von US-Staatsanleihen zogen deutlich an. Der Nasdaq 100 verzeichnete seinen schwächsten Tag seit dem zollgetriebenen Ausverkauf im April 2025 und beendete damit eine Rekordrally, die einen Großteil der Wall-Street-Euphorie in diesem Jahr getragen hatte. Zum Wochenende schien der Verkaufsdruck zunächst nachzulassen: Mit geschlossenen traditionellen Märkten stabilisierten sich Krypto-Kurse am Samstag. Ob der Einbruch eine Kapitulation am möglichen Marktboden markiert oder nur die nächste Etappe des Abwärtstrends, dürfte stark vom makroökonomischen Umfeld abhängen. Steigende Anleiherenditen, Zinserhöhungsängste sowie anhaltende Konkurrenz durch KI-Investments und IPO-Fantasie bleiben zentrale Hürden für eine Erholung.