BoE setzt auf Mehrgeld-System mit tokenisierten Einlagen, regulierten Stablecoins und möglichem Digitalpfund

Die Bank of England (BoE) bekräftigt ihre Linie für eine künftige Zahlungslandschaft, in der tokenisierte Bankeinlagen, regulierte Stablecoins und möglicherweise ein digitales Pfund für Privatkunden nebeneinander bestehen. Auf der City Week 2026 skizzierte Sarah Breeden dieses Ziel als "multimoney system": Distributed-Ledger-Technologie (DLT) und Smart Contracts sollen Kosten senken, Zwischenstufen reduzieren und automatisierte, bedingte Zahlungen im Massengeschäft ermöglichen. Kernaussagen Mehrgeld-Zahlungen: Das britische Retail-Zahlungssystem soll laut Breeden klassische Bankeinlagen neben tokenisierten Einlagen, regulierten Stablecoins und potenziell einer Zentralbank-Digitalwährung (CBDC) abbilden. "In Retail-Zahlungen wollen wir ein Mehrgeld-System, das Wettbewerb und Auswahl zwischen robusten Geldformen fördert", sagte sie. Zeitplan für Stablecoin-Regeln: Die BoE will im nächsten Monat Entwürfe für Regeln zu systemischen Stablecoins veröffentlichen; ein finales Rahmenwerk soll später in diesem Jahr folgen. In der frühen Einführungsphase könnten die Aufseher die gesamte Stablecoin-Emission vorübergehend begrenzen, um die Finanzstabilität zu schützen und abrupte Einlagenabflüsse aus Banken zu dämpfen. Konsultation zur Tokenisierung im Wholesale-Bereich: Am 18. Mai starteten BoE und Financial Conduct Authority (FCA) eine gemeinsame Konsultation zu tokenisierten Großhandelsmärkten. Banken, Handelsplätze, Fintechs und Asset Manager sind eingeladen, Stellung zu tokenisierten Wertpapieren, Sicherheiten, Abwicklungsinfrastruktur und aufsichtsrechtlicher Behandlung zu nehmen. Sandbox und Pilotvorhaben: Die BankFCA Digital Securities Sandbox (Start 2024, Laufzeit bis Januar 2029) wird ausgebaut. Breeden zufolge bereiten 16 Unternehmen vor, ab Ende 2026 live tokenisierte Emission, Handel und Abwicklung anzubieten. Zu den Teilnehmern zählen Euroclear, HSBC und London Stock Exchange Group. Abwicklung und Infrastruktur: Die Aufseher prüfen, wie tokenisierte Vermögenswerte als Sicherheiten in zentralen Gegenparteien und in BoE-Operationen genutzt werden könnten. Zudem schlägt die BoE längere Betriebszeiten für RTGS und CHAPS vor, langfristig mit dem Ziel einer nahezu 24/7-Abwicklung. Prudenzielle Gleichbehandlung: Tokenisierte Vermögenswerte in den Bilanzen britischer Banken sollen aufsichtsrechtlich so behandelt werden wie ihre nicht tokenisierten Pendants, sofern Rechtsansprüche und Risiken identisch sind. Digital Gilt und Digitalpfund: Die Arbeiten an der staatlichen "Digital Gilt"-Initiative (tokenisierte Staatsanleihen) laufen weiter. Die Zentralbank erwartet zudem, später in diesem Jahr Ergebnisse aus der Designphase zum digitalen Pfund zu veröffentlichen. Kontext und Spannungen in der Branche Breedens Aussagen fallen in eine Phase steigenden Drucks aus der Industrie, da Tokenisierung sich über Pilotprojekte hinaus in Richtung breiter Marktnutzung bewegt. Die Konsultation vom Mai spiegelt die Dringlichkeit: Unternehmen verlangen Klarheit zu tokenisierten Anleihen, Aktien, Fondsanteilen und Abwicklungssystemen. Die BoE hat bereits Teile ihres früheren Stablecoin-Konzepts nach Kritik aus der Digital-Asset-Branche überarbeitet. In Vorschlägen vom November 2025 waren Übergangslimits vorgesehen, darunter eine Obergrenze von 20.000 Pfund pro Person für einen einzelnen Sterling-Stablecoin sowie eine Grenze von rund 13,5 Mio. US-Dollar für Unternehmen. Zusätzlich sollten mindestens 40% der Reserven als nicht verzinste Einlagen bei der Bank of England gehalten werden. Branchenverbände warnten, solche Vorgaben könnten die kommerzielle Skalierung bremsen; wichtiger seien Compliance, Interoperabilität und Effizienz der Abwicklung. Internationale Regulierungssorgen BoE-Vertreter verweisen auch auf grenzüberschreitende Reibungen. Gouverneur Andrew Bailey warnte laut Reuters, regulatorische Spannungen könnten zunehmen, wenn andere Jurisdiktionen, insbesondere die USA mit Gesetzesvorhaben wie dem GENIUS Act, eigene Modelle zur Stablecoin-Aufsicht vorantreiben. Warum das wichtig ist Der Fahrplan der BoE signalisiert einen pragmatischen Kurs: Tokenisierung soll in die britischen Finanzmärkte integriert werden, flankiert von Schutzmechanismen für die Finanzstabilität. Für Krypto-Unternehmen, Banken und Infrastrukturanbieter sind die nächsten Schritte klar: Konsultationen aktiv begleiten, in regulierten Sandboxes testen und sich auf neue Abwicklungsfenster sowie prudenzielle Vorgaben einstellen, die den Einsatz tokenisierten Geldes und tokenisierter Wertpapiere im Vereinigten Königreich prägen werden.