Tech-Bewertungen zurück auf Vor-KI-Niveau: Forward-KGV im IT-Sektor fällt auf 20

Autor: Claude, Deep潮 TechFlow DeepOcean Der Bewertungsaufschlag der großen US-Techwerte aus der KI-Euphorie wird derzeit zügig abgebaut. Eine Grafik aus dem "Daily Spark" von Apollo Global Management vom 11. April, erstellt von Partner und Chefökonom Torsten Slok, zeigt: Das Forward-KGV des S&P-500-Sektors Information Technology ist von rund 40 auf etwa 20 gefallen und damit auf Niveaus vor dem KI-Schub zurückgekehrt. Die Darstellung umfasst die zehn größten Indexmitglieder nach Marktkapitalisierung: NVIDIA, Apple, Microsoft, Broadcom, Oracle, Micron, Palantir, AMD, Cisco und Applied Materials. Damit hat der Kern der KI-Gewinnergruppe die in den vergangenen zwei Jahren aufgebauten Bewertungsprämien weitgehend wieder abgegeben. Als Treiber nennt Slok ein Bündel aus drei Belastungsfaktoren. Erstens sorgt die Lage im Nahen Osten für eine Sektorrotation: Seit Ausbruch des Kriegs in Iran legte der Energiesektor im ersten Quartal um mehr als 34% zu, ExxonMobil stieg seit Jahresbeginn um fast 42%. Größere Kapitalströme wanderten aus Technologie in Energie- und defensive Segmente; Tech wurde zur größten Abflussquelle. Der S&P 500 bildete Ende März ein "Death Cross" (50-Tage-Linie fällt unter die 200-Tage-Linie). Anfang April rangierte der Index um 6.582 Punkte und lag damit weniger als 100 Punkte über der Korrekturschwelle bei 6.300. Zweitens wächst der Zweifel, ob sich die massiven KI-Investitionen zeitnah auszahlen. FactSet zufolge wird für das 1. Quartal ein Gewinnwachstum des S&P 500 von 12,6% erwartet; das Forward-KGV liegt bei rund 20,4. Gleichzeitig haben die großen Plattformanbieter in den vergangenen zwei Jahren enorme Budgets angekündigt: Amazon will bis 2026 insgesamt 200 Mrd. US-Dollar investieren, Microsoft, Meta und andere planen ebenfalls Investitionen im Umfang von mehreren hundert Milliarden US-Dollar. Dem stehen KI-bezogene Erlöse gegenüber, die bislang deutlich kleiner ausfallen. Schätzungen, die in einem Forschungsbericht der CEIBS zitiert werden, beziffern: Um allein die für 2025 veranschlagten rund 400 Mrd. US-Dollar an KI-Capex zu amortisieren, müsste der jährliche KI-Umsatz auf 160 Mrd. US-Dollar steigen; tatsächlich lag er zu diesem Zeitpunkt nur bei etwa 15 bis 20 Mrd. US-Dollar. Drittens flacht das Gewinnwachstum ab. Bloomberg Intelligence erwartet für die sieben großen Tech-Konzerne 2026 ein Gewinnplus von rund 18%—der niedrigste Wert seit 2022. Gleichzeitig nähert sich der Abstand zu den übrigen 493 S&P-500-Unternehmen, für die etwa 13% Wachstum prognostiziert werden. UBS-Strategiechef David Lefkowitz (U.S. Equities, UBS Global Wealth Management) betonte bereits im Januar, dass sich das Gewinnwachstum breiter aufstellt und Technologie nicht mehr alleiniger Treiber ist. Auf Einzeltitelebene zeigen sich die Spannungen besonders deutlich. Zacks zufolge ist das Forward-KGV von NVIDIA auf etwa 21,4 gefallen und liegt damit klar unter dem Median der vergangenen zehn Jahre von 45,3—trotz eines erwarteten annualisierten Gewinnwachstums von 39,1% für die nächsten drei bis fünf Jahre. Microsoft liegt seit Jahresbeginn rund 23% im Minus; die Marktkapitalisierung fiel unter 3 Bio. US-Dollar, nachdem sie im Oktober des Vorjahres noch über 4 Bio. US-Dollar gelegen hatte. Apple zeigte sich innerhalb der "Magnificent Seven" vergleichsweise stabil, auch weil die KI-Capex deutlich niedriger ausfallen als bei Wettbewerbern. Im Quartal kaufte Apple Aktien im Volumen von 24,7 Mrd. US-Dollar zurück—die Kapitaldisziplin wird belohnt, während hohe Ausgaben von den Märkten stärker abgestraft werden. Auch Insider-Aktivitäten rücken in den Fokus. Motley Fool berichtet unter Verweis auf SEC-Form-4-Daten, dass Insider bei NVIDIA, Apple, Alphabet, Microsoft und Amazon in den zwei Jahren bis zum 2. April netto Aktien im Wert von rund 16,1 Mrd. US-Dollar verkauft haben. Ein großer Teil sei steuergetrieben im Rahmen von Vergütungsprogrammen, doch das Ausbleiben nennenswerter Insiderkäufe trotz des hohen Nettoverkaufs sorgt für Unruhe. Die Diskussion über eine KI-Blase gewinnt an Schärfe, wird von vielen Marktteilnehmern aber klar von der Dotcom-Ära abgegrenzt. BlackRock verwies in einem Sektorbericht darauf, dass das Forward-KGV des S&P 500 Information Technology Index im Oktober 2025 bei rund 30 lag: hoch, aber weit entfernt von den etwa 60 am Höhepunkt der Dotcom-Blase im Nasdaq 100. Entscheidend sei, dass die heutigen Bewertungen auf realen Umsätzen, etablierten Geschäftsmodellen und einer beschleunigten KI-Adoption basierten—anders als im Jahr 2000. Auch Goldman Sachs argumentierte in früheren Analysen, dass die in den Kursen implizite langfristige Dividendenwachstumsrate zwar ungewöhnlich hoch, aber unter den Extremwerten der Internet-Blase und der "1960er 'Nifty Fifty'" bleibt. Gleichzeitig mehren sich Warnsignale. Laut Globe and Mail erreichte der S&P 500 zu Jahresbeginn gemessen am Shiller-KGV das zweithöchste Bewertungsniveau in 155 Jahren. Historisch folgten auf Shiller-KGVs über 40—während der Dotcom-Blase und im Januar 2022—Rückgänge des S&P 500 von 49% beziehungsweise 25%. Zacks zieht daraus eine nüchterne Schlussfolgerung: Fallen Kurse bei zugleich steigenden Gewinnerwartungen drücken die Multiples auch ohne operative Enttäuschungen und verbessern damit bei einzelnen Titeln das Chancen-Risiko-Profil. NVIDIA gilt derzeit als der Wert mit der besten Balance aus Wachstum und Bewertung, Microsoft als Kandidat für eine Aufholbewegung. Für Anleger steht weniger die Frage im Vordergrund, ob KI wirtschaftlichen Nutzen hat, sondern ob die heutigen Investitionssummen in einem vertretbaren Zeitraum Renditen liefern, die die Bewertungen tragen. Sollte 2026 den zyklischen Höhepunkt der Capex der Hyperscaler markieren, könnte sich die Amortisationszeit für KI-Infrastruktur trotz technologischen Fortschritts deutlich länger hinziehen, als es der Markt toleriert.