Aave öffnet WETH-Kredite auf sechs Netzwerken wieder und setzt LTVs auf Vorniveau zurück

Aave hat das Ausleihen gegen Wrapped Ether (WETH) nach den im Anschluss an einen schweren Exploit im April eingeführten Notfallbeschränkungen wieder freigegeben. Damit normalisiert sich die Nutzung eines der wichtigsten Sicherheiten-Assets im DeFi-Sektor. Im Rahmen des technischen Wiederherstellungsplans für rsETH hat Aave auf seinen V3-Deployments in sechs Netzwerken die Loan-to-Value-(LTV)-Quoten für WETH auf das Niveau vor dem Vorfall zurückgesetzt: Ethereum Core, Ethereum Prime, Arbitrum, Base, Mantle und Linea. Aus Governance-Unterlagen geht hervor, dass die LTVs nun bei 80,5% (Ethereum Core), 84% (Ethereum Prime), 80% (Arbitrum), 80% (Base), 80,5% (Mantle) und 80% (Linea) liegen. In den betroffenen V3-Märkten läuft WETH damit wieder im Normalbetrieb. WETH ist eine tokenisierte Form von Ether und dient in DeFi häufig als Sicherheit für Kredite, Leverage-Strategien und Liquiditätsmanagement. Unmittelbar nach dem Exploit hatte Aave die LTVs in den betroffenen Märkten auf 0% gesetzt und die Nutzung als Sicherheit faktisch deaktiviert. Mit der Rückkehr der LTVs werden Kreditkapazitäten wieder geöffnet, die Kapitaleffizienz verbessert und gebundenes Kapital in mehreren Ökosystemen freigesetzt. Das signalisiert, dass Aave das akute Systemrisiko weitgehend als eingedämmt betrachtet. Auslöser der Krise war ein Angriff auf eine Bridge im Umfeld von Kelp DAO's rsETH, einem renditetragenden, restaked Ether Token. Angreifer prägten rund 292 Mio. US-Dollar an ungedecktem rsETH und nutzten diesen als Sicherheit, um etwa 230 Mio. US-Dollar in ETH aus Aave abzuziehen. Insgesamt entstanden rund 112.103 ungedeckte rsETH. Durch koordinierte Liquidationen und weitere Maßnahmen wurden bislang etwa 106.993 Token zurückgeführt: 89.567 über Aave-Liquidationen und 17.426 über Compound. Damit verbleibt ein geschätztes Defizit von rund 5.200 rsETH, das die Branchenkoalition DeFi United ausgleichen will. Trotz der Wiederherstellung der WETH-Besicherung bleiben Streitfragen offen. Rechtskonflikte um eingefrorene Vermögenswerte und die endgültige Haftungsverteilung sind weiterhin ungeklärt. Der Schritt von Aave deutet auf sinkendes unmittelbares Ansteckungsrisiko hin, die Aufarbeitung der Folgen des rsETH-Bridge-Exploits läuft im Ökosystem aber weiter. Unterm Strich stärkt die Reaktivierung von WETH-Krediten eine zentrale DeFi-Grundfunktion und dürfte den Druck auf Leverage und Liquidität in den betroffenen Netzwerken mindern. Die Fortschritte bei der Rückholung sind substanziell, die letzten Schritte der Bereinigung sowie die juristische Klärung rund um den rsETH-Vorfall stehen noch aus.