Aave legt Plan zur Wiederherstellung der rsETH-Deckung vor – DeFi-United-Koalition wächst mit Compound
Aave-Gründer Stani Kulechov hat am Dienstag einen technischen Umsetzungsplan veröffentlicht, um die rsETH-Deckung in den betroffenen Protokollen wiederherzustellen. Die ersten Ausführungsschritte sollen binnen weniger Tage starten.
Der Wiederaufbau läuft in zwei Strängen: Zum einen soll das nominale Deckungsverhältnis von rsETH von 1,07 ETH durch gestaffelte ETH-Einzahlungen (Tranchen) wiederhergestellt werden. Zum anderen sollen acht betroffene Positionen bei Aave bereinigt werden. Laut Post-Mortem waren 98% des rsETH-Collaterals auf Aave in einem einzigen "Looping"-Trade gebündelt – eine strukturelle Schwachstelle, die die Schäden plattformweit verstärkte.
Die protokollübergreifende Recovery-Allianz "DeFi United" umfasst inzwischen auch Compound. Damit handelt es sich um die breiteste koordinierte Reaktion auf einen DeFi-Exploit der jüngeren Vergangenheit.
Der Angriff vom 18. April zielte auf die rsETH-Bridge auf der Route Unichain-zu-Ethereum. Ein gefälschtes eingehendes Paket wurde auf der Ethereum-Seite verifiziert, ohne dass auf Unichain ein entsprechendes Burn stattfand. In der Folge wurden 116.500 rsETH aus dem Adapter auf der Ethereum-Seite freigesetzt. Die entwendeten Mittel wurden anschließend über mehrere Adressen verteilt; ein wesentlicher Teil wurde als Sicherheit auf Aave V3 auf Ethereum hinterlegt, ein weiterer Teil nach Arbitrum gebridged, um dort Positionen auf Aave zu eröffnen. Der Rest floss über weitere Stationen ab.
Cryptoquant-Analysten bezeichneten die Folgen als den schwersten DeFi-Liquiditätsengpass seit 2024. Sieben Adressen, die dem Exploiter zugerechnet werden, halten derzeit aktive rsETH-besicherte Positionen auf Aave und Compound. Das entspricht rund 107.000 rsETH der ursprünglich gestohlenen 116.500.
Wiederherstellung des 1,07-ETH-Deckungsverhältnisses
Damit rsETH wieder regulär am Markt funktionieren kann, muss die Deckung auf das nominale Kelp-rsETH-Umtauschverhältnis von 1,07 ETH zurückgeführt werden. DeFi United gibt an, die dafür notwendigen ETH-Zusagen gesichert zu haben. Die finale Umsetzung hängt von Governance-Freigaben und dem Abschluss verbindlicher Vereinbarungen ab.
Die zugesagten ETH werden in Tranchen in rsETH umgewandelt – als bewusstes Risikomanagement – und anschließend in den Bridge-Lockbox-Contract eingezahlt. Layerzero und Kelp haben vor einer Wiederaufnahme der Bridge zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen implementiert. Der Plan verweist zugleich auf ein Restrisiko, bis diese Maßnahmen im Produktivbetrieb validiert sind.
Kontrollierte Liquidation zur Bereinigung der Exploiter-Positionen
Für die Bereinigung der acht betroffenen Positionen in Aaves Ethereum-Core- und Arbitrum-Märkten müssen Governance-Proposals auf beiden Netzwerken verabschiedet und ausgeführt werden. Der Mechanismus sieht vor, den rsETH-Orakelpreis temporär anzupassen, um eine effiziente Liquidation zu ermöglichen. Dabei entsteht ein kontrolliertes Defizit, das anschließend mit ETH ausgeglichen wird, die aus dem eingelösten rsETH-Collateral zurückgewonnen wird.
Sämtliche Konfigurationsänderungen sind zeitlich begrenzt und werden nach Abschluss vollständig zurückgesetzt; am Aave-Protokoll sollen keine dauerhaften Änderungen verbleiben. Dieser Strang zielt auf die Rückgewinnung von etwa 13.000 ETH ab, die derzeit in Aave-Positionen gebunden sind.
Parallel dazu bereinigt Compound in Abstimmung mit DeFi United die Exploiter-Position und stellt dafür die erforderliche Liquidität. Auf dieser Seite werden weitere 16.776 ETH als potenziell rückgewinnbar genannt.
Die Umsetzung ist mit Governance-Risiken behaftet. Der Exploiter hält weiterhin aktive Positionen auf Ethereum und Arbitrum; gezielte Störungen könnten die Liquidationsabfolge erschweren und zusätzliche Schritte erforderlich machen. DeFi United betont, der Plan sei so strukturiert, dass die Wiederherstellung der rsETH-Deckung ohne Sozialisierung von Verlusten gelingt – vorausgesetzt, Governance- und Liquidationsschritte laufen reibungslos.