Bitcoin: Negative Funding Rates trotz Kursrally – Analyst sieht institutionelle Absicherung als Treiber

Bitcoin (BTC) notiert bei 78.127,13 US-Dollar und hat im laufenden Monat rund 14% zugelegt – der stärkste Monatsanstieg seit einem Jahr. Viele Marktbeobachter halten einen Sprung über 80.000 US-Dollar für möglich, ein Niveau, das seit Januar nicht mehr erreicht wurde. Auffällig ist: Der Markt für Perpetual Futures sendet ein gegenteiliges Signal. Die Funding Rate, die bei Long-Überhang typischerweise positiv ist und bei Short-Überhang ins Negative dreht, liegt aktuell unter null. In den vergangenen Wochen waren die Sätze wiederholt negativ – Perpetual Futures handelten damit mit Abschlag zum Spotmarkt. Markus Thielen, Gründer von 10x Research, führt die Divergenz nicht auf schwindendes Vertrauen von Tradern zurück, sondern auf institutionelle Absicherungsaktivitäten. Die negative Funding Rate sei ein Hinweis auf eine strukturelle Verschiebung im Terminmarkt durch die zunehmende Beteiligung professioneller Akteure. Thielen hatte Anfang 2023 bereits eine Rally in Richtung 125.000 US-Dollar prognostiziert. Perpetual Futures bilden den Bitcoin-Preis ohne Verfall ab, anders als klassische Futures etwa an der CME. Damit der Futures-Preis nahe am Kassapreis bleibt, wird periodisch eine Funding Rate erhoben: Liegt der Futures-Preis über Spot, zahlen Longs an Shorts (positive Funding Rate). Handelt der Futures-Preis unter Spot, zahlen Shorts an Longs (negative Funding Rate). Der Mechanismus gilt als Echtzeitindikator für Positionierung und Marktstimmung. Nach Angaben von 10x Research liegt die durchschnittliche Funding Rate über 30 Tage bei minus 5% – gegenüber einem historischen Normalwert von plus 8%. Das entspricht einem Abschlag von 13 Prozentpunkten, der sich trotz steigender Kurse weiter ausweitet. "Die Bitcoin-Funding-Rate sendet ein ungewöhnliches Signal", schrieb Thielen am Samstag an Kunden. Bei minus 5% im 30-Tage-Schnitt gegenüber plus 8% historisch, und gleichzeitig weiter fallend, obwohl Bitcoin um 15% steigt und sich die Options-Skew erholt, geschehe etwas Strukturelles im Futures-Markt – kein reiner Stimmungsumschwung. Thielen nennt drei Quellen des Short-Drucks: 1) Rücknahmen bei Hedgefonds: Krypto-Hedgefonds haben Bitcoin über fünf Jahre um 140% unterboten. Investoren ziehen Kapital ab. Während Rückgabefristen sichern Fonds das Marktrisiko ab, indem sie Bitcoin-Futures shorten, bis das Geld wieder auf Bank- oder Handelskonto verfügbar ist. Laut Thielen sind das mechanische Risikomanagement-Trades, keine Baisse-Wetten. 2) Zwei institutionelle Relative-Value-Strategien rund um Strategy: Beide setzen zur Absicherung auf Short-Positionen in Bitcoin-Futures. Eine Strategie zielt darauf, dass die Aktie von Strategy (MSTR) – dem größten börsennotierten Bitcoin-Treasury-Unternehmen – besser läuft als Bitcoin selbst, abgesichert über Futures-Shorts. Die zweite soll die 11%-Rendite der Strategy-Vorzugsaktien (STRC) vereinnahmen und über Futures-Shorts die Krypto-Preisvolatilität neutralisieren. Strategy nahm allein im April 3,5 Milliarden US-Dollar auf und skalierte beide Trades parallel. 3) Miner mit Schwenk in Richtung KI: Immer mehr Bitcoin-Miner verlagern den Fokus auf KI-Rechenkapazitäten. Unternehmen wie Hut 8, seit dem 6. April um 48% gestiegen, reduzieren die Bitcoin-Produktion und bauen AI-Computing aus. Fonds, die solche Aktien kaufen, verkaufen parallel Bitcoin-Futures leer, um die Krypto-Korrelation aus dem Trade herauszunehmen. Auch das sei Absicherung statt einer klaren Short-Meinung zu Bitcoin.