Republikanische Senatoren drängen Aufseher auf Anpassung der Bitcoin-Kapitalregeln
Sechs republikanische US-Senatoren haben am 27. Mai in einem Schreiben an die Federal Reserve, die FDIC und das OCC eine Überarbeitung der Kapitalvorschriften für den Umgang von Banken mit Bitcoin und anderen digitalen Vermögenswerten gefordert. Aus Sicht der Unterzeichner macht der aktuelle Rahmen Bankengeschäfte mit Krypto ökonomisch unattraktiv.
Im Zentrum der Kritik steht die vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht angesetzte Risikogewichtung von 1.250% für Bankbestände an digitalen Assets. Praktisch bedeute das, dass Banken Kapital in Höhe von 100% ihres Bitcoin-Engagements vorhalten müssten. Wer beispielsweise Bitcoin im Wert von 10 Mio. US-Dollar in der Bilanz halten will, müsste 10 Mio. US-Dollar an Kapitalreserven dafür binden. Die Senatoren sprechen von einer "Pauschalstrafe" und einem "De-facto-Verbot".
Angeführt von Senatorin Cynthia Lummis verlangt die Gruppe ein "risikobasiertes, technologieneutrales Kapitalrahmenwerk" für digitale Assets in der Bankbilanz. Digitale Vermögenswerte sollen wie andere Anlageklassen nach ihrem tatsächlichen Risikoprofil behandelt werden, statt mit einem pauschalen Aufschlag belegt zu werden.
Als Hinweis auf eine bereits laufende Neuausrichtung verweisen Lummis und ihre Kollegen auf eine interbehördliche Klarstellung vom März 2026. Diese hatte die Kapitalbehandlung tokenisierter Wertpapiere an die ihrer zugrunde liegenden Assets angeglichen: Ist eine tokenisierte US-Staatsanleihe durch eine echte Treasury-Anleihe gedeckt, gilt dieselbe Kapitalunterlegung wie für die Anleihe selbst. Diesen Ansatz wollen die Senatoren auf weitere digitale Assets, einschließlich Bitcoin, übertragen. Ihrer Argumentation zufolge spiegele die heutige Behandlung keine fundierte Risikobewertung wider, sondern institutionelle Vorsicht, die sich zur Politik verfestigt habe.
Fed-Vizechefin Bowman hatte zuvor erklärt, US-Aufseher würden "diese Basler Risikogewichtungen nicht übernehmen", da sie unrealistisch seien.
Auch auf internationaler Ebene gibt es Bewegung: Der Basler Ausschuss kündigte im November 2025 eine Überprüfung seiner Standards für Krypto-Asset-Exposures an.
Das Schreiben fällt zudem in eine Phase zunehmender legislativer Dynamik. Der CLARITY Act (H.R. 3633) soll den Handlungsspielraum von Banken bei Aktivitäten rund um digitale Vermögenswerte ausweiten, darunter Verwahrung, Handel und weitere Funktionen, aus denen traditionelle Institute bislang weitgehend ausgeschlossen waren. Die Senatoren betonen, dass klare Leitlinien der Aufseher entscheidend seien, damit solche Aktivitäten verantwortungsvoll umgesetzt werden können.
Für Investoren wäre eine Lockerung der Kapitalregeln ein potenziell wichtiger Hebel: Sinkt die Kapitalhürde in Richtung der Forderungen der Senatoren, dürfte die Schwelle für eine institutionelle Bitcoin-Adoption deutlich fallen. Banken müssten dann nicht mehr Kapital Dollar für Dollar gegen Krypto-Bestände in der Bilanz hinterlegen.
Marktteilnehmer sollten drei Punkte im Blick behalten: ob Fed, FDIC und OCC formell auf das Schreiben reagieren, wie die Überprüfung des Basler Ausschusses im weiteren Verlauf von 2026 voranschreitet und ob der CLARITY Act über die Ausschussphase hinaus politischen Rückenwind erhält.